Delitzsch. Im Delitzscher Baff-Theater schließt sich nicht der Vorhang. Die enormen Finanzprobleme, mit denen die Darsteller-Schmiede in jüngster Vergangenheit zu kämpfen hatte (wir berichteten), sind offenbar bis auf Weiteres ausgeräumt. Damit verbunden ist ein Vorstandswechsel im Baff-Theater-Verein. Die Eigentümer des Oberen Bahnhofs, wo die Einrichtung untergebracht ist, haben die wirtschaftliche Regie übernommen.
Noch vor wenigen Tagen war recht unklar, ob das Baff-Theater eine Zukunft hat. Zwar ist die Institution überregional von Bedeutung, betreibt eine beliebte Theaterwerkstatt sowie die Akademie der Darstellenden Künste, spezialisiert auf Schauspiel und Musical. Doch finanziell lief vieles nicht mehr nach Drehbuch. Der federführende Verein war in Turbulenzen geraten, stand bei der Zahlung von Dozentengehältern und der Begleichung anderer Verbindlichkeiten auf dem Schlauch. Krisengespräche mit Stadtverwaltung und Landratsamt fanden statt, während der Chef des Vereins, Ulrich Triller, und der Schatzmeister noch im Urlaub weilten.
Inzwischen sind beide aus dem Urlaub zurück, es gab ein Vorstandstreffen und eine Mitgliederversammlung. Seit Mittwoch hat der Baff-Theater-Verein eine neue Führungsriege. Tarik Wolf, Olaf Milkner und Jens Heile bilden nun nicht mehr nur die Eigentümergemeinschaft des Oberen Bahnhofs, sondern auch den Vereinsvorstand. Einstimmig habe die Mitgliederrunde dafür ihr Votum gegeben, berichtet Tarik Wolf gegenüber der Kreiszeitung.
Das Trio möchte Wolf zufolge wirtschaftlich das Steuer übernehmen. Die ersten Schritte in diesem Sinne seien getan: Mit Unterstützung von zwei Sponsoren, die namentlich nicht genannt werden sollen, wurden Dozentengehälter gesichert und Kreditraten an Banken gezahlt, heißt es. Zudem wurde ein mittelfristiger Finanzplan aufgestellt, der zunächst bis ins nächste Jahr hinein den Spielbetrieb und die studentische Ausbildung gewährleisten soll. "Wir sichern das nächste Semester", sagt Tarik Wolf.
Der Bauunternehmer betont, von der Zukunftsfähigkeit des Baff-Theaters überzeugt zu sein. "Es wird dort hochwertige Arbeit geleistet, sowohl in der Theaterwerkstatt als auch in der Akademie. Fachlich möchten wir nicht reinreden." In wirtschaftlicher Hinsicht sieht Wolf jedoch Korrekturbedarf. "Wir werden die Angebote und die Beiträge zum Teil überdenken müssen. Wichtig ist unter anderem, dass freie Veranstaltungen wie etwa Feste nicht unrentabel sind." Auch in der Zahl der Studenten sieht der neue Vorstand noch viel Potenzial. "Es sind wohl im Moment knapp 30 Studierende, aber 80 oder 90 könnten es sein."
Die Zahl der Studierenden ist dem Vernehmen nach ein wesentliches Manko gewesen, das Löcher in die Vereinsfinanzen gerissen hat. Zu langsam sei die Gruppe der Kommilitonen gewachsen, langsamer als erwartet. Dadurch entstanden Einnahmedefizite, die über längere Zeit mitgeschleift wurden und den Boden für weitere Probleme bereiteten. Am 30. Juni versagte schließlich auch noch der Fördermitteltropf für die Geschäftsführerinnen-Stelle - eine Auswirkung der gekürzten Jugendpauschale. Tarik Wolf erklärte, dass der Posten vorerst nicht wieder mit einem Gehalt untersetzt werde. Cathrin Moeller arbeite ehrenamtlich für den Verein weiter, bleibe auch als Frontfrau erhalten. "Wenn wir keine klare Chance sehen würden, dass es mit dem Baff-Theater vorwärts geht, hätten wir jetzt kein Engagement hineingesteckt", spricht Wolf auch für seine beiden Vorstandskollegen.
Die Wahl eines komplett neuen Führungsgremiums sei zum aktuellen Zeitpunkt im Übrigen nichts Ungewöhnliches, sagte der bisherige Vize-Vereinschefs Lutz Schmähl. "Die letzte Wahl war 2008, und alle zwei Jahre gibt es ein neues Votum der Mitgliederversammlung." Schmähl habe ohnehin nicht vorgehabt, noch einmal zu kandidieren. "Ich wohne inzwischen nicht mehr in Delitzsch, bin nach Leipzig gezogen. Der Weg ist zu weit geworden."