22. Februar 2012 Thomas Steingen (Leipziger Volkszeitung)

Delitzsch droht Statusverlust

Loberstadt soll nur noch als mittelzentraler Ergänzungsstandort eingeordnet werden

Delitzsch. Die Große Kreisstadt Delitzsch soll ihren Status als vollwertiges Mittelzentrum verlieren. So steht es im Entwurf des neuen Landesentwicklungsplanes (LEP) 2012. Diese Absichten kommen für das Delitzscher Rathaus völlig überraschend. Entsprechend will man um die bisherige Einordnung kämpfen.

Grundsätzlich wird im Entwurf des neuen LEP davon ausgegangen, die Position der Städte zu stabilisieren und weiter zu stärken. "Den Städten kommt als Zentren des gesellschaftlichen Lebens im Siedlungsgefüge eine zentrale Rolle zu", beschreibt das Leitbild. Und zunächst ist Delitzsch auch als Mittelzentrum genannt. Weiter hinten im Text heißt es aber, dass für Delitzsch "abweichend von den Festlegungen im LEP 2003 eine Zuordnung zu den mittelzentralen Ergänzungsstandorten im ländlichen Raum" vorgenommen wird, weil die Loberstadt die Kriterien für Mittelzentren nicht vollständig erfülle.
Delitzschs Bürgermeister Thorsten Schöne (parteilos) kann diese Aussage schwer nachvollziehen, denn außer der Gerichtsbarkeit fällt ihm kein Kriterium ein, das die Loberstadt nicht erfülle. "Delitzsch ist die einwohnerstärkste Stadt im Landkreis Nordsachsen. Hier gibt es alle geforderten Schularten, Krankenhaus, Behinderteneinrichtungen, Fachärzte, Altenpflegeheime, Sport- und Kultur- stätten." Zudem lasse der LEP-Entwurf zu, dass nicht jedes Kriterium erfüllt sein müsse, so Schöne weiter. "Ich sehe also keinen Grund, der die Herabstufung zum Mittelzentrum als Ergänzungsstandort im ländlichen Raum rechtfertigt." Deshalb werde die Stadt in ihrer Stellungnahme auf eine Korrektur im Entwurf des Landesentwicklungsplanes drängen.
Weil der LEP den Weg in die Perspektive weist, befürchtet Delitzsch nicht zuletzt Abstriche bei Fördermittelzuteilungen und Ähnlichem. Und noch in anderer Hinsicht sieht sich die Stadt im LEP-Entwurf unterpräsentiert, weil sie beispielsweise im Zusammenhang mit den Bergbaufolgelandschaften nicht erwähnt wird. "Mit dem Werbeliner See übernehmen wir eine wichtige touristische Rolle in der Region", erklärt der Bürgermeister.
Ebenfalls beim Regionalen Planungsverband Westsachsen sieht man den Status für Delitzsch kritisch. "In unserer Stellungnahme werden wir vorschlagen, die Stadt Delitzsch als vollwertiges Mittelzentrum einzuordnen", sagt Manfred Friedrich, stellvertretender Leiter der regionalen Planungsgruppe, auf Anfrage der Delitzsch-Eilenburger Kreiszeitung. Als ein nicht erfülltes Kriterium kann er sich nur die geforderte Einwohnerzahl von 45000 im Verflechtungsraum vorstellen, für den Delitzsch als Mittelzentrum Funktionen erfüllt. Doch auch diesbezüglich räumt der LEP Ausnahmen ein, wenn die Mittelzentren aufgrund ihrer Nachbarschaftslage zu Oberzentren oder benachbarten Mittelzentren keine entsprechende Verflechtungsbereiche ausbilden können, aber dennoch leistungsfähige Versorgungs-, Bildungs- und Wirtschaftsstandorte sind.
Gerade mit Blick auf die Stadt-Umland-Beziehungen, die gefördert werden sollen, wäre es gut, wenn nördlich der Messestadt ein Mittelzentrum bestünde, sagt auch Hartmut Grabmann, Leiter des Bauordnungs- und Planungsamtes von Nordsachsen. Für ihn ist im LEP-Entwurf 2012 nicht klar dargestellt, welche Kriterien die Stadt Delitzsch nicht erfülle. Das Landratsamt werde deshalb in seiner Stellungsnahme, die den Kreistagsfraktionen am 2. März übergeben werden soll, hinweisen, dass der Statusverlust für Delitzsch nicht hinzunehmen sei. "Der Landkreis Nordsachsen ist groß genug für ein zweites vollwertiges Mittelzentrum neben der Stadt Torgau", so Grabmann.
Noch bis zum 23. März läuft das Beteiligungsverfahren, in dem neben den Trägern öffentlicher Belange jedermann Stellungnahmen einbringen kann. Dazu ist der LEP-Entwurf im Internet veröffentlicht. Erstmals können Stellungnahmen auch online abgegeben werden.