Delitzsch. In Delitzsch wurde der Nordsächsische Handballverein (NHV) Concordia 2010 gegründet. Die zehn Gründungsmitglieder wollen damit einen Neuanfang ohne Altlasten starten (wir berichteten). Die Kreiszeitung sprach gestern mit dem Vorstandsvorsitzenden Kai Emanuel.
Frage: Plötzlich gibt es den NHV Concordia. Wie ging das denn so schnell?
Kai Emanuel: Wir haben uns lange unterhalten und viel geredet. Es war an der Zeit, zu handeln und etwas zu unternehmen. Das haben wir getan.
Warum dieser Schritt?
Um den Handballsport in Delitzsch zu sichern. Vor allem für unseren Nachwuchs. Eltern und Großeltern haben immer wieder gefragt, wie es weiter geht. Für uns war klar, dass das nur in einem neuen Verein funktionieren kann. Wir wollten einen klaren Schnitt. Das ist die einfachste Lösung.
Was ist mit Concordia Delitzsch?
Der Verein existiert im Moment weiter.
Warum dann die Gründung eines neuen Vereins?
Der alte Verein hat viel Vertrauen aufgebraucht und einen Imageschaden in der Region verursacht. Auch bei Sponsoren. Dieser Verein hätte aus meiner Sicht auf lange Sicht keine Chance gehabt, sich wieder ein solches Umfeld aufzubauen, wie es nötig ist, um über einhundert Kindern und Jugendlichen eine sinnvolle Freizeitbeschäftigung zu ermöglichen. Unser ganzes Augenmerk liegt auf dem Amateurbereich. Den wollen wir solide aufbauen und dann weiter sehen.
Wer haftet, wenn Concordia den Bach runter geht, wenn weitere finanzielle Forderungen kommen?
Das kann ich nicht beurteilen. Für mich ist es völlig unklar, was mit Concordia passiert.
Was ist mit dem alten Vorstand, der ja inzwischen untergetaucht oder zurückgetreten ist?
Die Präsidentin, der Vizepräsident und ich als Jugendwart sind zurückgetreten. Damit ist der Vorstand aber immer noch handlungsfähig. Um es vorweg zu nehmen, es reicht natürlich nicht aus, das Handtuch zu werfen. Damit alleine lassen wir unseren Nachwuchs im Regen stehen.
Welche Vorwürfe machen Sie sich?
Ich war Jugendwart. Jeder hatte seine Aufgaben, ich war für die Nachwuchsarbeit verantwortlich. Auch ich habe nicht erkannt, wie schlecht es um die CSG, die Concordia-Spielbetriebs-Gesellschaft, wirklich stand. So lange wir eine Bundesligamannschaft hatten, sorgte diese vor allem für gute Nachrichten und Ergebnisse und damit für gute Stimmung. Die Kinder- und Jugendarbeit war sehr erfolgreich, wie die vielen Auszeichnungen zeigen. Den Profihandball hat die CSG geregelt. Das war vom Amateurbereich getrennt.
Dass die CSG in wirtschaftlichen Schwierigkeiten steckte, war aber bekannt?
In sehr vielen Vereinen klemmt die Säge, fehlt Geld. Aber die CSG hat es immer wieder hinbekommen.
Sie haben sich also nichts vorzuwerfen?
Die Arbeit im Verein habe ich mir als Ausgleich zu meiner beruflichen Tätigkeit vorgestellt. Zwei bis drei Mal wöchentlich in der Halle zu stehen und mit Kindern und Jugendlichen zu trainieren, war dann schon mehr als Ausgleich. Wenn ich mir was vorwerfe, dann vielleicht, dass ich viele Dinge zu blauäugig und gutgläubig abgetan habe.
Haben Sie sich angesprochen gefühlt, als massive Kritik über Concordia hereinbrach?
Es wäre wohl unfair, würde ich mich als ehemaliges Vorstandsmitglied völlig unbeteiligt fühlen. Aus dem Kinder- und Jugendbereich sind mir jedoch keine Unregelmäßigkeiten bekannt.
Die Pauschalverurteilung des Leichlinger Trainers traf den gesamten Verein. Wie unterscheiden Sie?
Alle Schritte, die für die Lizenzerteilung gegangen wurden, waren schlüssig. Ich habe keine kriminellen Machenschaften erkannt. Die Handball-Bundesliga GmbH hat das übrigens bestätigt. Natürlich verstehe ich die Emotionen in Leichlingen. Aber es war auch selbstverständlich, dass hier alles für die Rettung getan wurde. Vielleicht ein bisschen zu viel, aber immer im gesetzlichen Rahmen.
Trotzdem bildete sich dann so eine Art Gegen-Vorstand?
Nein. Es kamen ein paar Freunde und Helfer dazu. Auch die wollten den Bundesligahandball retten. Die haben sich für den Profihandball eingesetzt.
Wie beurteilen Sie deren Engagement?
Auch wenn wir nicht immer einer Meinung waren, war es aller Ehren wert.
Welche Rolle spielen diese Leute heute?
Sie haben uns aktiv bei der Gründung des neuen Vereins unterstützt und wollen sich auch zukünftig einbringen.
Wie geht es weiter mit dem NHV?
Wir bieten allen Spielerinnen und Spielern von der E-Jugend bis zu den Bezirksliga-Frauen den Wechsel in den NHV an. Das ist die Grundlage für die Übertragung der Spielklassen. Wir wollen als NHV in den Klassen dort weitermachen, wo die Mannschaften jetzt gemeldet sind.
Wie heißt das Flaggschiff des Vereins?
Die männliche E-Jugend ist unser Flaggschiff, die wollen wir für die Bundesliga fit machen.
Was wird aus der Akademie Leipzig-Delitzsch?
Wir unterstützen den Gedanken und werden unseren Leistungsbereich dort einbringen.
Sie nennen sich Vorstandsvorsitzender, sind Sie damit der Präsident?
Der Vorstand sieht seine Arbeit zeitlich begrenzt, bis es eine Mitgliederversammlung und Wahlen gibt. Jetzt müssen wir jedoch schnell erst einmal den Spielbetrieb sichern.
Interview: Frank Pfütze