Leipzig (TZ). Der amerikanische Konzern Amazon ist auch in der Leipziger Region ein großer Arbeitgeber – in einer Branche, die boomt. Und das bleibt nicht ohne Auswirkungen für Nordsachsen.
Im letzten Jahr hatte der Online-Versandhändler für Aufsehen gesorgt, als er ankündigte, für sein Leipziger Logistikzentrum mehr als 2800 Saisonarbeitskräfte in Vorbereitung auf das Weihnachtsgeschäft einstellen zu wollen. Die Resonanz war gewaltig, auch wenn der Konzern-Riese wegen seiner Lohnpolitik bei Gewerkschaften nicht ganz unumstritten ist. Die Bezahlung der Mitarbeiter sollte jedoch ab Herbst 2011 steigen, wie es damals hieß. Sie liege zwar noch immer deutlich unter West-Niveau, wie Gewerkschafts-Vertreter monierten.
Die Arbeitsagentur Leipzig sprach aber nichtsdestotrotz von einem „guten Stundenlohn für diese Art der Arbeit in Leipzig“. Derzeit beschäftigt Amazon in der Messestadt mehr als 1000 Mitarbeiter aus der Region.
Für das Weihnachtsgeschäft wurde das Personal am Standort an der Torgauer Straße fast vervierfacht. Gesucht wurden vor allem Mitarbeiter in den Bereichen Wareneingang, Lager und Verpackung. Die Anforderungen seien „minimal“, wie das Unternehmen informierte. Es seien keine fachlichen Qualifikationen notwendig, auch ein Schulabschluss müsse nicht zwingend vorhanden sein. Die Bewerber sollten lediglich gut Deutsch sprechen können, für Schicht- und Wochenendarbeit zur Verfügung stehen sowie körperlich belastbar sein. Eine Altersgrenze gab es nicht. Das Unternehmen ging im Herbst davon aus, dass ein Teil der Mitarbeiter anschließend in ein festes Arbeitsverhältnis übernommen wird und auch Langzeitarbeitslose so die Chance auf einen neuen Job bekommen. „Die überwiegende Zahl der Festangestellten wird erfahrungsgemäß aus den Saisonarbeitskräften gewonnen“, wurde in einer Pressemitteilung geworben.
In den Vorjahren waren dies jeweils mehrere hundert Mitarbeiter. Sie erhielten jedoch lediglich befristete Arbeitsverträge. Nach Medieninformationen soll der Einstiegslohn bei 8,33 Euro Brutto pro Stunde liegen, im zweiten Arbeitsjahr beträgt er dann 9,05 Euro. Leider gab es angeblich aus Zeitgründen keinerlei Informationen von Amazon selbst auf Fragen der Torgauer Zeitung. TZ hatte sich schon Anfang letzter Woche an Amazon gewandt und wollte wissen, wo hoch die Zahl der Mitarbeiter momentan genau ist und welche Vorhaben beziehungsweise Investitionen für die nächsten Monate ins Auge gefasst werden. Der 2006 errichtete Standort in Leipzig war eine Ergänzung zum bisherigen Sitz im hessischen Bad Hersfeld. Von beiden Orten beliefert das Unternehmen nun seine Kunden mit Unterhaltungselektronik, Fotogeräten, Büchern, Filmen und Tonträgern. Aber auch Produkte aus den Bereichen Haus und Garten sowie Küche und Kinderwelt sind im Angebot.
Den Standort Leipzig hatte Amazon wegen seiner zentralen Lage in Europa gewählt. Der Neubau sei damals wegen der knapp gewordenen Kapazitäten im bisherigen Lager nötig geworden. Das Logistikzentrum in Leipzig umfasst rund 70 000 Quadratmeter und ist damit so groß wie etwa elf Fußballfelder.