2. September 2010 Christian Wendt (Oschatzer Allgemeine Zeitung)

Freie Schulen bangen um die Zukunft

Sächsisches Kultusministerium will Gelder für freie Schulen empfindlich kürzen

Torgau. "Ich will den Teufel nicht an die Wand malen. Aber klar ist, dass uns dadurch schwierige Zeiten bevorstehen." Christian Pirl, Geschäftsführer von Pro Montessori Torgau, ahnt nichts Gutes, wenn er die Folgen der angekündigten Mittelkürzungen für Schulen in freier Trägerschaft überdenkt. Der Torgauer gibt sich dennoch gelassen. "Es bringt gar nichts, wenn ich jetzt die Pferde scheu mache", sagt er. Man müsse abwarten, inwieweit die Landesregierung mit den Einsparvorschlägen durchkomme. Und diese haben es in sich.
Dr. Konrad Schneider, Sprecher der Arbeitsgemeinschaft der sächsischen Schulen in freier Trägerschaft, befürchtet Mittelkürzungen je nach Einrichtung von 12 bis 20 Prozent. Dies wäre katastrophal, zumal die meisten freien Träger bereits jetzt schon einen äußerst eng gestrickten Haushalt hätten. Für ihn sei klar, dass etlichen Schulen durch die von Kultusminister Wöller angekündigten Einsparmaßnahmen das Aus drohe. Hier werde Bildungspolitik nach Haushaltslage zelebriert, kritisierte Schneider.
Für die Freie Grund- und Mittelschule Torgau in der Schildauer Straße 20 könnten die Pläne zu Kürzungen in einer Größenordnung von etwa zehn bis elf Prozent führen, rechnet Geschäftsführer Christian Pirl vor. Dies habe er in der vergangenen Woche auch den Eltern der insgesamt 18 Grund- und 24 Mittelschüler während einer Elternversammlung mitgeteilt. Was ihn dabei so irritiere, sei die Tatsache, dass freie Träger im Vergleich zu staatlichen Schulen bereits jetzt schon einen um zehn Prozent geringeren Landeszuschuss bekämen. "Einer nochmaligen Kürzung müssten wir dann möglicherweise durch Einnahme-Erhöhungen entgegentreten." Und diese, so Pirl, würden kurzfristig wohl eine Erhöhung des Schulgelds nach sich ziehen. "Ein höheres Schulgeld wird wiederum zur Folge haben, dass gerade sozial schwache Familien noch spitzer rechnen müssten als ohnehin schon." Besonders hart träfe dies Hartz-IV-Familien und Alleinerziehende, denen das Schulgeld in Höhe von 60 Euro pro Kind und Monat derzeit noch erlassen wird. Die Übernahme dieses Schulgeldes steht ebenso zur Disposition. Pirl glaubt, dass die Landesregierung bewusst eine Selektion im Bildungsbereich in Kauf nimmt, indem staatliche Einrichtungen bevorzugt werden. Allerdings verstoße dies gegen geltendes Recht. Vorgestern nun hieß es aus dem Netzwerk der sächsischen freien Träger, dass zumindest die Grünen eine Verfassungsklage in Erwägung ziehen. Doch Christian Pirl weiß, dass eine Entscheidung meist lange auf sich warten lasse. In der Zwischenzeit könnte vielen freien Trägern die Puste ausgehen. Deswegen müsse man bereits jetzt schon alternative Finanzierungsmodelle in Betracht ziehen. Pirl zählt hierzu beispielsweise eine noch intensivere Zusammenarbeit mit Stiftungen. Inwiefern man damit Erfolg habe, bleibe abzuwarten. Von den Mittelkürzungen ist übrigens nicht nur die Torgauer Bildungseinrichtung betroffen. Auch die Apfelbaumschule in Schweta, die Werkschule in Naundorf, die Freie Grundschule in Zwochau, die Freie Grundschule in Eilenburg und die Freie Grundschule in Bad Düben wären im Landkreis Nordsachsen von den Folgen betroffen.