Leipzig. In Sachsen sollen ab 2011 wesentlich mehr niedergelassene Ärzte praktizieren, als bisher vorgesehen. Das geht aus der aktuellen Bedarfsplanung der Kassenärzlichen Vereinigung (KV) hervor, die der LVZ vorliegt.
Laut KV Sachsen steigt die Gesamtzahl der Neuzulassungen auf 340 Ärzte, bislang war die gesetzliche Bedarfsplanung nur von 116 ausgegangen. Hintergrund des erhöhten Ärztebedarfs in der ambulanten medizinischen Versorgung ist das KV-Rechenmodell unter Einbeziehung des Demographie-Faktors. Letzte Woche hatte der Bundesausschuss der Kassen, Ärzte und Kliniken für dieses Modell grünes Licht gegeben. Der Demographie-Faktor prognostiziert für Sachsen einen besonders hohen Anteil an über 60-Jährigen, den höchsten aller Bundesländer. Bisher wurde der Ärztebedarf nach der Bevölkerungsstatistik von 1990 berechnet. "Mit dem Demographie-Faktor wird der Versorgungsbedarf realistisch abgebildet", sagt KV-Chef Klaus Heckemann.
Die neue Bedarfsermittlung bezieht jetzt die Altersstruktur der Bevölkerung genauso mit ein wie die Anzahl der Behandlungen (Fallzahl) in der jeweiligen Region. Demnach ergibt sich für die ländlichen Gebiete und für Chemnitz eine verstärkte Nachfrage nach Allgemeinmedizinern. So soll es 285 neue Zulassungen für Hausärzte geben, geplant waren nur 88. Für die mit Hausärzten gut versorgte Stadt Leipzig ergibt sich eine Zulassung, der Landkreis Leipzig erhält dagegen acht (siehe Tabelle). Der KV-Plan orientiert sich noch an den Kreisgrenzen vor der Kommunalreform 2008.
Nach Angaben von KV-Sprecher Ingo Mohn wird die neue Bedarfsplanung im Oktober vom sächsischen Landesausschuss der Kassen, Ärzte und Kliniken offiziell bestätigt, so dass sie ab Januar 2011 verbindlich gelten kann. Ob die vakanten Ärztestellen auch zügig besetzt werden, ist aber weiter offen. KV-Chef Heckemann räumt ein, dass eine gesetzliche Grundlage, Ärzte auf dem Land finanziell zu unterstützen, noch fehle. Er rechne aber mit einer Entscheidung des Bundestages nach der Sommerpause. In Sachsen läuft seit 2008 ein Stipendienprogramm für Medizinstudenten, die sich im Gegenzug verpflichten, für eine bestimmte Dauer als Hausarzt in einem unterdurchschnittlich versorgten Gebiet im Freistaat zu praktizieren.