Oschatz (ak). "Grundsätzlich sind wir Landwirte Optimisten", sagt Ehrhard Neubauer, Vorsitzender des Kreisbauernverbandes Torgau gestern beim Informationsgespräch der Bauernverbände der Region Nordsachsen. Man habe in den vergangenen 20 Jahren gelernt, Probleme zu lösen und mit den Wechselfällen aus Politik und Bürokratie zu leben.
Positiv sei zum Beispiel, dass sich die Preise für nahezu alle Agrarprodukte "positiv entwickelt" hätten. So könnten die Milcherzeuger jetzt wieder 34 bis 35 Cent pro Liter erlösen und davon auch leben. Seine Hoffnung sei, dass die guten Preise für Feldfrüchte auch bis zur Ernte stabil blieben.
Bis dahin müssen noch ein paar Sorgen ausgeräumt werden. "Gerste und Winterraps sind auf jeden Fall von den Starkfrösten betroffen", meinte Neubauer. Wie groß die Ausfälle sind, ließe sich jetzt noch nicht beurteilen. Vor dem Frost habe die Lage gut ausgesehen, besser als in den letzten Jahren. Nun sähe es so aus, als ob die geschwächten Pflanzen mit Dünger und Pflanzenschutzmitteln unterstützt werden müssen, was die Kosten steigert. Das sei aber nichts Neues, das wiederhole sich in regelmäßigen Abständen.
Kein Naturgesetz ist hingegen die Neuregulierung der Agrarpolitik der Europäischen Union, die 2013 ansteht. Knackpunkt ist dabei nach Neubauers Ansicht, dass eine tatsächliche Entkopplung der Beihilfen für die Landwirtschaftsbetriebe von den erzeugten Produkten wie sie ab 2005 erfolgen sollte, bis jetzt noch nicht in allen EU-Staaten erfolgt sei.
Mit der Neuregelung der gemeinsamen Agrarpolitik (GAP) sollen die Beihilfen gekappt werden. Das beginnt stufenweise bei Betrieben, die 150000 Euro pro Jahr erhalten. "Das ist ein Einschnitt. Damit ist die Struktur größerer Betriebe in Gefahr", macht Torsten Krawczyk, Vorsitzender des Regionalbauernverbandes Döbeln-Oschatz. Und gerade diese Strukturen würden gebraucht, bekräftigt Armin Möbius, Vorstandsmitglied des Regionalbauernverbandes. Familienbetriebe, in denen das Jahr 365 Arbeitstage hat und in denen - wie in der Milchwirtschaft der Arbeitstag zwar geteilt ist, aber 4 Uhr beginnt und 19 Uhr endet, hätten es schwer Berufsnachwuchs zu finden. Aber echte Schichtarbeit mit freien Tagen und Urlaub könnten nur Betriebe ab einer bestimmten Größenordnung bieten.