2. März 2017 Oschatzer Allgemeine Zeitung

Zahl der Gesellen-Prüfungen im Handwerk sinkt deutlich

Nordsachsen. Angesichts einer zunehmenden „Akademisierung“ warnt die Gewerkschaft IG Bauen-Agrar-Umwelt (IG Bau) Nord-West-Sachsen vor einer Verschärfung der Fachkräfte-Krise für Handwerksbetriebe im Landkreis Nordsachsen. Die Gewerkschaft beruft sich dabei auf Zahlen der Handwerkskammer Leipzig: In deren Bereich legten im vorletzten Jahr lediglich rund 860 Auszubildende eine Abschlussprüfung ab – zehn Jahre zuvor waren es noch etwa 2730. Das mache einen Rückgang von fast 70 Prozent. Der Gesellen-Schwund sei aber ein landesweites Phänomen: Zwischen 2010 und 2015 sei die Zahl der Gesellen-Prüfungen in ganz Sachsen um 50 Prozent gesunken.

„Immer mehr Schulabgänger gehen lieber an die Uni statt in einen Handwerksbetrieb“, sagte IG-Bau-Bezirkschef Bernd Günther. Dabei biete etwa die Baubranche auch in der Region gute Verdienstmöglichkeiten und eine lange Karriere-Leiter. Per Aufstiegsfortbildung könne man es bis zum Geprüften Polier oder Bauleiter bringen – und dann sogar mehr verdienen als viele Architekten. „Sei schlau, geh zum Bau – dieser Tipp gilt nach wie vor“, so Günther.

Nach Angaben der Sozialkassen der Bauwirtschaft (Soka-Bau) waren im vergangenen Oktober 117 Bau-Azubis im Landkreis Nordsachsen gemeldet. „Damit steht der Bau besser da als viele andere Handwerksbereiche. Trotzdem: Jeder zusätzliche Azubi wird gebraucht, besonders in Zeiten einer deutlich anziehenden Baukonjunktur“, so der Gewerkschafter.