4. November 2011 Christian Wendt (Torgauer Zeitung)

17 Prozent gegen Besuch vom Amt

Nordsachsen (TZ). Seit dem Sommer bekommen frisch gebackene Eltern in Nordsachsen Post vom Jugendamt. Das Programm „Von Anfang an“ soll präventiven Kinderschutz bieten, ohne Eltern jedoch unter Generalverdacht zu stellen. In dieser Woche zogen Kathrin Grasse und Tanja Schön, zwei von insgesamt vier Projektmitarbeiterinnen, im Jugendhilfeausschuss des Landkreises ein erstes Resümee. Dabei wurde deutlich, dass man allein die Zahlen betrachtend zu einem überaus positiven Fazit kommen muss. Gut 82 Prozent (Stand 21. Oktober) aller betroffenen Familien nehmen das auf Freiwilligkeit basierende Angebot in Anspruch. Lediglich 15 Prozent lehnten die Beratungshilfe ab. Von gut zwei Prozent habe es indes überhaupt keine Rückmeldung gegeben, erläuterte Kathrin Grasse.

Auch für Landrat Michael Czupalla waren jene 82 Prozent eine „gute Sache“. Ruben Franzen hingegen hinterfragte die restlichen Prozente. „Wenn es sich dabei um genau jene Familien handelt, bei denen der Bedarf eigentlich am größten ist, haben wir nicht viel gekonnt“, meinte der Jugendrichter des Amtsgerichts Eilenburg. Dem hielt Jutta Pfennig vom Sozialamt entgegen, dass man nach dem Anlaufen noch nicht genau sagen könne, ob es bestimmte Gruppen gäbe, die jenes Angebot ablehnten. Bis zum Jahresende soll jedoch eine Statistik genauen Aufschluss darüber geben.

Insgesamt zählte das nordsächsische Jugendamt von Juni bis August 209 Hausbesuche. Absagen wurden 38 erteilt. Bei fünf Familien hatte die Behörde keine Rückmeldung erhalten. Allein im Raum Torgau wurde man bei 53 Familien vorstellig. Fünf lehnten einen Besuch ab. In nur zwei Fällen gab es keine Rückmeldung. Im Altkreis Torgau-Oschatz besuchten die Projektmitarbeiter 117 Familien. 16 Absagen wurden gezählt. Bei fünf Familien stieß man komplett auf taube Ohren.

Nach Angabe von Kathrin Grasse seien die bisherigen Reaktionen auf die Hilfestellung sehr unterschiedlich. Von Aufgeschlossenheit bis hin zu Aussagen wie „Hat mich etwa mein Nachbar angeschwärzt?“ reiche das Spektrum. Das Programm „Von Anfang an“, das bis Ende kommenden Jahres befristet ist, soll nach Angabe der Behörde aktiven und frühzeitig einsetzenden Kinderschutz bieten, der mit einer niedrigschwelligen Beratung von Müttern und Vätern einhergeht. Angeboten werden beispielsweise Beratungen zu kommunalen und staatlichen Leistungen, Information über wohnortnahe Angebote von Krabbelgruppen oder auch Eltern-Kind-Kurse.