Schönwölkau. Der neue technische und kaufmännische Betriebsführer des Abwasserzweckverbands Unteres Leinetal (AZVUL) hat aufgeräumt: Die ominösen Kisten des Verbands, die laut Kritikern voller ungeprüfter Unterlagen sein sollten, sind durchforstet. Ergebnis: "Es gab keine bösen Überraschungen", wie es beim neuen Dienstleister OEWA heißt.
Zwei Pappkartons mit ungeprüften Dokumenten und nicht bezahlten Rechnungen gebe es noch, hatten Kritiker alarmiert, als der hoch verschuldete Verband Anfang Februar die Betriebsführung an die OEWA übertrug (wir berichteten). Die Außenstände seien kaum mehr einzuholen und ein weiterer Haufen auf dem Schuldenberg des Verbands, hieß es damals. Licht ins Dunkel der Kartons hat der neue Betriebsführer nun bei der jüngsten Sitzung des AZVUL am Dienstagabend gebracht: So beliefen sich die offenen Forderungen zum Jahresende 2010 auf 745000 Euro. "Tatsächlich sind 21000 Euro der Forderungen verjährt, weitere Verjährungen sind aber nicht möglich", so Betriebswirtin Ellen Aust. Den Rest des Geldes könne der Verband also eintreiben und auch bei den 21000 Euro wolle man prüfen, ob noch was zu holen ist, kündigte Verbandschef Volker Tiefensee (CDU) an.
Die Veolia-Tochter hat mit dem Zweckverband, der mit mehr als fünf Millionen Euro in der Kreide steht, dennoch weiterhin zahlreiche Baustellen vor sich: So wurde am Dienstagabend auch die Feststellung der Jahresrechnung für das Haushaltsjahr 2009 beschlossen. Während die Verbandsmitglieder Schönwölkau und Löbnitz ihre Zustimmung erteilten, enthielt sich die Stadt Delitzsch, ihre Ortsteile Laue und Poßdorf gehören zum Versorgungsgebiet des AZVUL, ihrer Stimme. Schließlich ging es in dieser Rechnung unter anderem um einen Fehlbetrag im Verwaltungshaushalt von mehr als 270000 Euro. Für den Verband ergibt sich bei laufenden Krediten rechnerisch eine Tilgungszeit von 67 Jahren. "Unter den Folgen des Missmanagements der vergangenen Jahre haben die Bürger noch lange zu leiden", warnt daher Heiko Wittig, SPD-Gemeinderat in Löbnitz. Bei den Zahlen des AZVUL wäre ein Privatbetrieb "längst am Ende" und der Eigentümer stünde wegen Insolvenzverschleppung vor Gericht, kritisierte Wittig vor allem den Verbandsvorsitzenden Tiefensee.
Unterdessen will der Betriebsführer weiter aufräumen: Die Umstellung auf Eigenbetriebsrecht ist beschlossene Sache, demnächst wird eine Wirtschaftsprüfungsgesellschaft ins Boot geholt, zum 30.Juni soll eine Eröffnungsbilanz für den AZVUL vorgelegt werden. Hinzu kommen Umschuldungen von Krediten, die jährlich eine Ersparnis von rund 5300 Euro ergeben sollen. Zudem wird auf Doppik umgestellt. Ende des Jahres könne für den Verband eine Rücklage von mehr als 200000 Euro stehen.