Oschatz. In seiner Einstellung zu Ausländern oder rechtsextremen Ideen unterscheidet sich der typische Einwohner von Nordsachsen kaum vom Durchschnittsdeutschen. Einen Unterschied gibt es dennoch. "Abwertende Äußerungen gegenüber Hartz-IV-Empfängern sind recht häufig", sagt Anja Kohlbach. Diese Erkenntnis hat sie beim Auswerten von 337 Interviews gewonnen. Die Interviews wurden im Vorfeld eines Lokalen Aktionsplanes (LAP) zum Beispiel mit Behördenmitarbeitern oder Vereinsvorsitzenden im Landkreis Nordsachsen geführt. Gestern erfolgte der offizielle Startschuss für den LAP Nordsachsen im E-Werk Oschatz.
"Zum Jahresende haben wir den Bewilligungsbescheid über 270 000 Euro erhalten", sagte Hans-Günter Sirrenberg. Mit dem Geld aus dem Bundesprogramm "Toleranz fördern - Kompetenz stärken", so der Kreissozialdezernent, "sollen viele Einzelprojekte finanziert werden, die in die Region passen". Die Projekte sollen eines gemeinsam haben: Strategien gegen Rechtsextremismus und so genannte gruppenfeindliche Menschlichkeit zu entwickeln und vor allem den jungen Einwohnern nahe zu bringen.
Im Idealfall sollen nach der dreijährigen Projektphase die Nordsachsen, die vom Lokalen Aktionsplan erreicht werden, toleranter als derzeit sein - auch gegenüber Hartz IV-Empfängern.