Oschatz. Der übliche Frühjahrsaufschwung auf dem Arbeitsmarkt gewinnt an Fahrt. Die Erwerbslosigkeit in der Region Oschatz ist im April auf 12,9 Prozent zurückgegangen (März: 13,8 Prozent). Arbeitsagentur-Chefin Marlies Hoffmann-Ulrich rechnet im Jahresverlauf mit einem weiteren Rückgang.
"Der Arbeitsmarkt zeigt sich von seiner besten Seite in diesem Jahr", sagte die Agenturchefin gestern zur Vorstellung der April-Zahlen. In der Region Oschatz sind zum Monatsende 2899 Frauen und Männer ohne Beschäftigung - 200 weniger als einen Monat zuvor. Die Unternehmen in der Region haben im April 114 offene Stellen gemeldet - darunter 38 in der Landwirtschaft, 17 in der Baubranche und 15 im verarbeitenden Gewerbe.
"Ich freue mich, dass auch in diesem Monat viele Menschen eine Beschäftigung aufnehmen konnten und blicke angesichts der aktuellen Wirtschaftsprognosen zuversichtlich auf die nächsten Monate. Der Trend ist nicht aufzuhalten", so Hoffmann-Ulrich. Nach ihrer Einschätzung gibt es für diese Entwicklung drei Gründe. Die Arbeitgeber stellen mehr Beschäftigte ein. Es gibt weniger Entlassungen. Und die Zahl der Arbeitnehmer, die in Rente gehen, steigt.
Von diesem Trend profitieren vorrangig Erwerbslose, die nur kurze Zeit ohne Job sind. Mittlerweile steigen die Chancen aber auch für Langzeitarbeitslose. Im Kreis Nordsachsen sind drei von vier Erwerbslosen bereits länger als ein Jahr ohne Beschäftigung. "Langzeitarbeitslose haben derzeit bessere Jobchancen als in den vorangegangenen Jahren", sagte Jobcenter-Geschäftsführer Frank Germer. Im April fanden nach seinen Angaben 99 Langzeitarbeitslose einen Job. Das bedeutet aber noch nicht, dass diese Frauen und Männer ihre Familien nun aus eigener Kraft ernähren können.
Laut Germer verdient nur eine der 99 ehemaligen Langzeitarbeitslosen nun so viel, dass sie nicht mehr auf Arbeitslosengeld II angewiesen ist. "Oft sind die Übergänge fließend. Das stellt uns nicht zufrieden, aber auch ein anfänglicher Nebenverdienst oder ein Minijob können ein wichtiger Schritt zu einem regulären Job sein", umriss Germer die Perspektiven.
Oschatz. Ab dem 1. Mai wird der deutsche Arbeitsmarkt auch Arbeitnehmern aus dem europäischen Ausland offen stehen (wir berichteten). Für den Bezirk der Arbeitsagentur Oschatz wird das nach Einschätzung der Agenturleiterin jedoch keine erheblichen Auswirkungen haben. "2011 wird es keinen großen Ansturm in der Region geben", sagte Marlies Hoffmann-Ulrich gestern auf OAZ-Anfrage. Sie wisse aber auch, dass Arbeitgeber hofften, einen Teil ihrer offenen Stellen mit ausländischen Arbeitskräften besetzen zu können. In der Praxis funktioniert es laut Hoffmann-Ulrich so, dass Anwerber zum Beispiel in Polen oder Tschechien Gruppen von Arbeitskräften zusammenstellen und dafür den zahlungskräftigsten Arbeitgeber suchen. Der Freistaat sei dabei nicht unbedingt die erste Adresse für die ausländischen Arbeitskräfte. "Sachsen ist kein Vorzeigeland bei Hochlöhnen", so die Agenturchefin. Sie erwartet, dass sich die sogenannte Arbeitnehmerfreizügigkeit nach dem 1. Mai vor allem in den Grenzregionen Sachsens zu Tschechien und Polen bemerkbar machen werde. "In den Randregionen gibt es schon Gewerbeanmeldungen von ausländischen Handwerksbetrieben", sagte sie. Frank Hörügel