7. September 2011 Eileen Jack (Torgauer Zeitung)

Auf einer Stufe mit Wittenberg und Eisenach

Torgau (TZ). „Das ist ein großer Tag für Torgau“, erklärte Sachsens Landwirtschafts- und Umweltminister Frank Kupfer im Rahmen der gestrigen Pressekonferenz direkt nach der Kabinettssitzung auf Schloss Hartenfels. Zum einen meinte er die Tatsache, dass die Minister für eine Tagung in die nordsächsische Kreisstadt gekommen waren. Zum anderen sprach er natürlich auf die offizielle Eröffnung des ersten Abschnitts des sächsischen Lutherweges an. Dieser sei ein erster Baustein im großen Programm mit Blick auf das bevorstehende Reformationsjubiläum im Jahr 2017.

Ähnlich sah es auch Ministerpräsident Stanislaw Tillich, der Torgau auf konkrete Nachfrage der Torgauer Zeitung in seiner Bedeutung für die Reformation sogar auf eine Stufe mit  den Lutherstädten Wittenberg und Eisenach stellte. „Torgau ist einer der großen Wirkungsorte Luthers und deshalb auch aus der Würdigung der Lutherdekade nicht wegzudenken. Die Stadt hat eine extrem bedeutende Position und spielte eine große Rolle für die geistige und geistliche Entwicklung“, so die konkreten Aussagen des sächsischen Landesvaters. Der genoss es gestern offensichtlich, gemeinsam mit Torgaus Oberbürgermeisterin Andrea Staude, Landrat Michael Czupalla, dem Vorsitzenden des Tourismusverbandes Sächsisches Burgen- und Heideland, Dr. Manfred Graetz, sowie Dr. Johannes Kimme, Präsident der Evangelischen Landeskirche Sachsen, und Regionalbischof Propst Siegfried Kasparick die erste Tafel am offiziellen sächsischen Lutherweg zu enthüllen.
Letzterer misst nach seiner Fertigstellung rund 340 Kilometer.

Aus heutiger Sicht beteiligen sich insgesamt 26 Städte und Gemeinden an der Umsetzung der Idee von einem Pilgerweg entlang der Wirkungsstätte von Martin Luther sowie seiner Ehefrau Katharina von Bora und seiner Mitstreiter. „Und ich denke, es werden sich noch einige anschließen“, stellte Dr. Manfred Graetz vom Tourismusverband Sächsisches Burgen- und Heideland in seiner Rede in Aussicht. Der Verband ist Träger der Projektes und bemühte sich in den vergangenen Jahren redlich, möglichst viele Kommunen vom Lutherweg und seiner Bedeutung zu überzeugen. Jede Gemeinde kostet die Beteiligung 3000 Euro.

Die finanzielle Förderung über das ILE-Programm beträgt rund 600 000 Euro, so die Informationen von Minister Kupfer. Für ihn ist der Lutherweg die Möglichkeit, „den ländlichen Raum in Sachsen ein Stück erlebbarer zu machen.“ Gleichzeitig betonte er, dass für den Weg vorhandene Trassen, wie zum Beispiel der Torgische Weg, genutzt werden. Der gestern eingeweihte erste Abschnitt umfasst die Strecke von Torgau über Dreiheide und Bad Düben bis nach Löbnitz. Die weiteren Stationen folgen in den nächsten Monaten. Perspektivisch ist zudem eine Verbindung zu den bereits vorhandenen Lutherwegen in Sachsen-Anhalt und Thüringen geplant, sodass sich alle drei Projekte zu einem mitteldeutschen Lutherweg vereinen lassen.