Bad Düben/Nordsachsen (TZ). Was haben nordsächsische Biogasanlagen, ungarische Thermalquellen und österreichische Wälder gemeinsam? Seit gestern gibt es eine Antwort auf diese Frage: vis nova. Was den „alten Lateiner“ erfreut, erschließt sich dem Anhänger lebendiger Sprachen als „Neue Kraft“. Und die schmiedet seit Kurzem zwölf Partner aus Deutschland, Polen, Österreich und Ungarn zusammen. Die, und die 2,7 Millionen Euro, die die Europäische Union (EU) zu dem transnationalen Projekt zur Förderung von nachhaltigen Energielösungen im ländlichen Raum beisteuert.
Neue Kraft also auch im Sinne neuer Energie und eben diese haben die Wirtschaftsförderungsgesellschaft, kurz WFG und die Kreisverwaltung Nordsachsen aufgebracht, um die gestrige Auftakt-Konferenz für vis nova in Bad Düben auf den Weg zu bringen. Den gesamten Nachmittag über jagte im Heide Spa ein Fachvortrag den anderen, bekamen die Gäste einen Eindruck davon vermittelt, welche Fortschritte die Erzeugung von umweltfreundlichem Strom in den vergangenen Jahren genommen hat und welche Potenziale die Zukunft hier bereithält.
Das Projekt läuft bis Oktober 2014. Aus dem EU-Fördertopf landen 158 000 Euro beim Landkreis, weitere 296 000 Euro stehen der WFG zu. Die Förderquote beträgt 79 Prozent. Das heißt, es müssen jeweils noch 21 Prozent eigene Mittel draufgelegt werden. Während der Kreis vor allem die Kosten des Personals damit deckt, das sich am Projekt für ihn beteiligt, wird die WFG das Geld in Pilotprojekte investieren. So soll wahrscheinlich bei den Technischen Werken Delitzsch ein sogenannter Kontaktpunkt entstehen, wo Informationen ausgetauscht werden können. Noch nicht klar ist, in welchem Ort ein virtuelles Kraftwerk errichtet werden soll. „Wir sind noch in der Ideenphase“, sagt WFG-Geschäftsführerin Uta Schladitz dazu. Nur so viel, Dommitzsch werde wahrscheinlich nicht der Standort sein. Ein virtuelles Kraftwerk soll zeigen, aus welchen Quellen sich der Stromverbrauch speist und wann diese Quellen wie ergiebig sind.
Eine ganz andere Ergiebigkeit könnte vis nova für viele Unternehmen der Region bieten. Denn ein zentrales Anliegen von Kreis und WFG ist es, die Potenzen Nordsachsens auf internationalem Parkett zu präsentieren. „Über das Projekt gelingt es uns, in enge Beziehungen zu Regionen zu treten, die ab 2014 Ziel-1-Gebiete der EU sind“, so Uta Schladitz. Ziel-1-Gebiete sind die mit der höchsten EU-Förderung, zu denen Nordsachsen noch gehört, ab 2014 aber nicht mehr. „Wir rechnen uns gute Chancen auf strategische Partnerschaften aus“, macht Uta Schladitz die Dimensionen klar, in denen sie und die übrigen Partner das Projekt betrachten. Auch dem Netzwerk, das sich in den kommenden Jahren aus vis nova heraus entspinnen wird, misst die WFG-Geschäftsführerin immense Bedeutung bei. Dass so etwas funktioniere, habe schon das Netzwerk Logistik gezeigt.