11. November 2010 Sebastian Stöber (Torgauer Zeitung)

Aufklärung gegen Blockade

Torgau/Nordsachsen (TZ/seb). Sollte sich der Baubeginn für die B 87n noch weitere Jahre verzögern, besteht die Gefahr, dass der Bund sie aus seinem Verkehrswegeplan streicht. Damit wäre das Projekt erledigt. Angesprochen wurde diese Horror-Vision gestern von Landrat Michael Czupalla. Der hatte erstmals eine Runde aus Vertretern von Städten und Gemeinden sowie des Landratsamtes zum Thema B 87n im Schloss versammelt. Das Ziel: die Interessen der nordsächsischen Kommunen einen und geschlossen für eine zügige Realisierung der Straße eintreten. „Wir wollen die B 87n nicht nur, wir brauchen sie auch. Der Ausbau dieser Verbindung ist die wichtigste Infrastrukturmaßnahme in unserem Kreis“, so Czupalla. Die Teilnehmer kamen aus Jesewitz, Taucha, Doberschütz, Mockrehna, Elsnig, Dreiheide, Zinna, Beilrode und Torgau.

Die Runde bestätigte, dass der Bau alternativlos sei – „so schnell wie möglich“, sagte zum Beispiel der Jesewitzer Bürgermeister Ralf Tauchnitz. Allesamt forderten aber gleichzeitig mehr Unterstützung bei der Information der Bürger über das Vorhaben. „Wir müssen aufklären“, ist sich auch der Landrat sicher. Nicht jeder, der eine Frage habe, sei ein Gegner des Bauvorhabens. Könnte aber einer werden. „Wir brauchen kompetente Ansprechpartner vor Ort“, pflichtete Dreiheides Bürgermeister Wolfgang Sarembe bei. Nordsachsens Baudezernent Hans-Hartmut Grabmann sieht hier vor allem das Autobahnamt als verantwortliche Behörde in der Pflicht. Dessen Experten müssten sich vor Ort zeigen und über das Verfahren informieren. Hier gebe es ganz klare Vermittlungsdefizite zwischen Behörde und Bürgern. Auch deshalb geht es momentan nicht weiter. Der Regionalplan, in dem ein riesiger Korridor für die Straße freigehalten werden soll, ist nach wie vor nicht verabschiedet. Lahmgelegt wurde das Verfahren durch rund 3000 Einsprüche. „Man kann dem Planungsverband keinen Vorwurf machen“, sagte Grabmann. Auch ein Regionalplan sei rechtlich angreifbar. Deshalb müsste äußerst penibel gearbeitet werden. Vom Autobahnamt forderte er Aufklärung über das komplizierte Planungsverfahren. Beispielsweise darüber, dass der Regionalplan noch gar keine Trassenführung bestimmen könne – wäre dies bekannt, gäbe es die aktuelle Verzögerung wahrscheinlich nicht.

In Sachen Linienführung machte Landrat Czupalla klar, dass eine Linie gefunden werden müsse, „wo nicht von vornherein Probleme programmiert sind“. Er wisse, dass es in den Kommunen verschiedene Auffassungen gebe. „Die müssen wir hier zusammenführen.“ Es werde einen Kompromiss geben, zeigte sich auch der 1. Beigeordnete des Landrats, Ulrich Fiedler, optimistisch. „Dieser Kompromiss wird mal besser, mal schlechter ausfallen und alle müssen bereit sein, damit leben zu können.“ Im Januar will die Runde erneut zusammenkommen. Dann vielleicht schon unter dem Vorzeichen eines fortgeschriebenen Regionalplans.