Eilenburg. "Bildung ist Mehr Wert" lautet die Überschrift der Kampagne, die der Kreisverband Der Linken Nordwestsachsen jetzt startet. Gestern wurde dafür eine Auftakt-Pressekonferenz im Eilenburger Linkspunkt, Breite Straße, organisiert. Im weitgehend rot plakatierten Präsidium hatten sich Gerhard Bader, der Vorsitzende des Kreisverbandes, Sprecher Peter Streubel und die Landtagsabgeordneten Cornelia Falken und Thomas Kind platziert und die Parteivorsitzende Gesine Lötzsch in die Mitte genommen, die aus Berlin anreiste.
Teilnehmer der Konferenz waren dann aber größtenteils Parteimitglieder aus Eilenburg und der weiteren Umgebung. Ihnen stellte Peter Streubel die Ziele der Kampagne vor: Ursachen und Folgen von rigiden Sparmaßnahmen sollten wahrnehmbar gemacht werden. Die Streichung des beitragsfreien Vorschuljahres, Kürzungen der Zuwendung für Schulen, fehlender Lehrernachwuchs waren einige Stichworte. Im Landkreis seien seit den 90er-Jahren 58 Schulen geschlossen worden. 79 existieren noch. Aber elf Grundschulen seien immer wieder bedroht: Arzberg, Calbitz, Hof, Weidenhain, Weßnig, Jesewitz, Authausen, Laußig, Löbnitz, Wiedemar, Zschortau. Es müsse Schluss sein mit den Schulschließungen im ländlichen Raum. Zudem spiele damit der Schülertransport eine immer größere Rolle und der klamme Landkreis sehe sich verpflichtet, die Beiträge dafür anzuheben. "Was sollen aber 61000 Euro bei Fehlbeträgen in Millionenhöhe?", fragte Streubel später. Es sollten andere Spar-Prioritäten gesetzt werden, der Landkreis solle den Wirtschaftsgutachtern nicht 1:1 folgen. Diese Kampagne ist ein Novum. Es sei ein guter Ansatz, "dass sich ein Kreisverband diesem Themas stellt", lobte Gesine Lötzsch die nordsächsischen Genossen. Bildung solle keine Ware sein. "Staatliche Bildungseinrichtungen werden systematisch unattraktiv gehalten", so dass viele Eltern diesem System entfliehen wollten. Jedes Jahr würden auch deshalb bundesweit 100 Privatschulen gegründet.
Allerdings würde zum Beispiel über die Klassenteiler nicht in Torgau, sondern in Dresden entschieden, betonte der ehemalige Landtagsabgeordnete Michael Friedrich, der immer noch als Kreisrat aktiv ist. "Aufklärung ist aber schon mal ein Schritt, Veränderungen zu erreichen", erklärte Lötzsch gegenüber der Kreiszeitung, warum sie die Kampagne an der Basis unterstützt. Insgesamt 23 Veranstaltungen soll es in den kommenden Wochen in Eilenburg, Delitzsch,, Torgau, Bad Düben, Schkeuditz, Oschatz und Rackwitz geben. Themen sind dabei Lernmittelfreiheit, Ganztagsbetreuung, längeres gemeinsames Lernen, Demokratieerziehung, Jugendparlamente und Schulnetzplanung. Aber auch Info-Stände sollen aufgebaut und Briefkastenaktionen initiiert werden.
Hinterm rot plakatierten Tisch haben Cornelia Falken, Thomas Kind, Gesine Lötzsch, Peter Streubel und Gerhard Bader (von links) Platz genommen. Foto: Heike Liesaus
