9. April 2011 Frank Hörügel (Oschatzer Allgemeine Zeitung)

Aus Acht mach Vier

Planungsverband empfiehlt freiwillige Gemeindezusammenschlüsse in der Region Oschatz


Region Oschatz/Leipzig. Diese Studie birgt so viel Zündstoff, dass sie bis gestern unter Verschluss gehalten wurde. Am Freitagnachmittag hat sie der Regionalplanungsverband Leipzig-Westsachsen freigegeben. Der Verband orientiert darauf, dass von acht Städten und Gemeinden in der Region Oschatz nur noch vier übrig bleiben.
"Wir haben jede denkbare Fusionsmöglichkeit durchgeprüft", sagt Prof. Andreas Berkner. Herausgekommen ist eine raumstrukturelle Analyse zu freiwilligen Gemeindezusammenschlüssen, die der Leiter der regionalen Planungsstelle Leipzig gestern Nachmittag vorstellte. Ziel sei es gewesen, so Berk-ner, die Grund- und Mittelzentren zu stärken und stabile ländliche Gemeinden zu erhalten. "Es handelt sich dabei um eine Empfehlung, was aus unserer Sicht gut passen würde", betont der Regionalplaner. Hier die Ergebnisse:
Oschatz: Die Stadt sollte als Mittelzentrum gestärkt werden. Die Nachbargemeinden Liebschützberg und Naundorf sollten sich deshalb mit Oschatz zusammenschließen. Eine Fusion der Gemeinde Liebschützberg mit der Stadt Strehla sieht Berkner dagegen kritisch: "Nordsachsen ist der demografisch schwächste Kreis in Sachsen und verträgt kein Ausscheiden von Gemeinden in Nachbarkreise wie Meißen."
Dahlen: Dahlen soll als Grundzentrum gefestigt werden. Ein Zusammenschluss mit der Gemeinde Cavertitz ist aus Sicht des Planungsverbandes sinnvoll. Einer Fusion von Dahlen und Belgern räumt Berkner dagegen kaum Chancen ein. "Diese Verbindung wäre nicht sonderlich tragfähig. Die Verkehrsverbindung ist schlecht. Dahlen ist auf Oschatz und Belgern auf Torgau orientiert", so der Regionalplaner.
Wermsdorf: Die Gemeinde Wermsdorf ist aus Sicht des Regionalplaners so stark, dass sie nicht unbedingt auf Zuwachs aus Richtung der Stadt Mutzschen angewiesen ist. "Der Schlüssel liegt bei Mutzschen. Aus raumordnerischer Sicht wäre sowohl eine Fusion mit Grimma als auch mit Wermsdorf denkbar", so Berkner. Falls sich Mutzschen für Wermsdorf entscheide, sei auch die Grenze zwischen den Landkreisen Leipzig und Nordsachsen nicht unüberwindbar. "Aber nur in Richtung Nordsachsen und nicht umgedreht", betont der Regionalplaner.
Mügeln: Die zum Jahresanfang erfolgte Fusion mit Sornzig-Ablaß wird vom Planungsverband als tragfähig bewertet.
Berkner rät den Kommunen: "Sie sollten diese Entwicklung nicht übers Knie brechen." Zeitliche Bandagen gebe es nicht - außer einer. Wer die "Hochzeitsprämie" des Freistaates für freiwillige Fusionen kassieren will, der muss sich bis Ende 2012 zusammenschließen.
"Die Empfehlungen von Professor Berkner sind richtig", sagte gestern nach der Sitzung Andreas Kretschmar auf OAZ-Anfrage. "Wir müssen in unseren kleinen und mittleren Städten die Aufgaben bündeln, ansonsten wandern die aus unserer Region ab - siehe Kfz-Zulassungsstelle", meint der Oschatzer Oberbürgermeister (parteilos).
Zu den Empfehlungen für Oschatz sagt er: "Der Vorschlag überrascht uns nicht. Mit den Gemeinderäten von Liebschützberg und Naundorf hat es Gespräche gegeben, die demnächst fortgeführt werden.