27. September 2011 Leipziger Volkszeitung

Aus für Rentenstellen in Nordsachsen

Standorte in Eilenburg und Delitzsch schließen / Versicherte müssen längere Anfahrtswege in Kauf nehmen

Kreisgebiet (red). Die Deutsche Rentenversicherung Mitteldeutschland wird in den nächsten Jahren 23 Auskunfts- und Beratungsstellen schließen. Davon ist auch der Landkreis Nordsachsen betroffen, wie der Rentenversicherungsträger mitteilte. Ein entsprechendes Konzept habe der Vorstand in der vorigen Woche beschlossen.
Hintergrund ist die Kritik des Bundesrechnungshofes, der bereits mehrfach das bundesweit umfangreichste und damit kostenintensivste Beratungsstellennetz des mitteldeutschen Rentenversicherungsträgers kritisiert hat. "Wir stehen inzwischen unter einem massiven Druck von außen, dem wir uns nicht entziehen können", sagte Geschäftsführer Wolfgang Kohl.
Das Konzept zur "Weiterentwicklung des Servicenetzes Auskunft und Beratung" sieht die Schließung von elf Auskunfts- und Beratungsstellen in Sachsen vor, darunter sind die Stellen in Delitzsch und Eilenburg. Weitere sind Wurzen, Dippoldiswalde, Pirna, Mittweida, Glauchau, Auerbach, Döbeln, Borna und Aue. Ebenso betroffen sind Standorte in Sachsen-Anhalt und Thüringen.
Das Servicenetz wird durch elf Sprechtagsorte - fünf in Sachsen (Torgau, Grimma, Weißwasser, Olbernhau, Zittau), drei in Sachsen-Anhalt (Salzwedel, Gardelegen, Haldensleben) und drei in Thüringen (Heilbad Heiligenstadt, Altenburg, Sonneberg) ergänzt. Die Zahl der Sprechtagsorte sei dabei keine für immer festgeschriebene Größe und könne bei Bedarf gegebenenfalls erweitert werden, hieß es.
Die Deutsche Rentenversicherung Mitteldeutschland hat nach eigenen Angaben bei ihrem Konzept die aktuellen Diskussionen in der Deutschen Rentenversicherung berücksichtigt und sich an den Kriterien orientiert, die von den entsprechenden Gremien für die Ermittlung einer bedarfsgerechten und wirtschaftlichen Anzahl an Auskunfts- und Beratungsstellen entwickelt wurden. Dabei wird bundesweit eine Entfernung von bis zu 30 Kilometern zur nächstgelegenen Beratungsstelle als für die Versicherten zumutbar angesehen. Jene aus dem Altkreis Delitzsch müssten dann nach Torgau zur Beratung fahren. Von Delitzsch bis dorthin wären es allerdings 56 Kilometer. Darüber hinaus hat die Rentenversicherung ebenfalls geprüft, ob die Verkehrsbedingungen zu anderen Beratungsstellen zumutbar sind. Zudem seien regionale Besonderheiten wie der höhere Anteil an Auskünften und Antragsaufnahmen wegen fehlender Versicherungsämter berücksichtigt worden.
Mit der Umsetzung des Konzeptes wird es in Mitteldeutschland bundesweit weiterhin eines der dichtesten Servicenetze geben: 30 Auskunfts- und Beratungsstellen, davon 27 in Trägerschaft der Deutschen Rentenversicherung Mitteldeutschland, zwei der Deutschen Rentenversicherung Knappschaft-Bahn-See (Chemnitz, Bitterfeld-Wolfen) sowie die der Deutschen Rentenversicherung Bund in Gera. Ergänzt wird das Netz durch Sprechtage sowie die ehrenamtlich tätigen Versichertenältesten und Versichertenberater.
Die von der Schließung von Auskunfts- und Beratungsstellen respektive deren Umwandlung in Sprechtage betroffenen Mitarbeiter werden in anderen Beratungsstellen oder Bereichen eingesetzt. Betriebsbedingte Kündigungen soll es nicht geben.