25. Oktober 2010 Eileen Jack (Torgauer Zeitung)

B 87n: Ein Appell an Planer und Politiker

Landrat Michael Czupalla will ehemaligen Arbeitskreis wiederbeleben


Nordsachsen (TZ). Die B 87n erhitzt nach wie vor die Gemüter. Und das obwohl es um die weitere Planung der neuen Verkehrsachse in den vergangenen Wochen eher ruhig geworden ist. Das Raumordnungsverfahren ruht bereits seit März und eine Weiterführung ist derzeit nicht in Sicht, bestätigte in dieser Woche erneut die Landesdirektion Leipzig. Grund ist der Regionalplan Westsachsen, dessen Teilfortschreibung noch immer nicht abgeschlossen ist. Erforderlich machte sich dieser Schritt, um regionalplanerische Festlegungen innerhalb des Trassenkorridors für die B 87n mit den Erfordernissen des überregionalen Straßenbauvorhabens in Einklang zu bringen. Bereits bei der ersten Auslegung des fortgeschriebenen Regionalplanes gingen rund 2000 Stellungnahmen ein, ähnlich hoch war die Zahl bei der erneuten Auslegung im August und September dieses Jahres. Die Stellungnahmen werden gegenwärtig gesichtet und ausgewertet. Ein Satzungsbeschluss zum Regionalplan ist in diesem Jahr nicht mehr zu erwarten.

Arbeitsgruppe wiederbeleben
Entsprechend ist auch noch nicht abzuschätzen, wann das Raumordnungsverfahren durch die Landesdirektion Leipzig wieder aufgenommen werden kann und in welchem zeitlichen Rahmen sich die weiteren Planungen realisieren lassen. Prognosen hierzu wollte das Autobahnamt als Planungsbehörde gegenüber der Torgauer Zeitung auch nicht wagen. „Bei der B 87n zwischen der A 14 und Eilenburg sowie der Ortsumfahrung Torgau handelt es sich um ein Vorhaben mit vordringlichem Bedarf. Ein solches soll so schnell wie möglich unter Verkehr gehen. Erfahrungsgemäß vergehen dabei dennoch locker zehn Jahre“, so Burkhard Zscheischler, Pressesprecher des Autobahnamtes.

Trotz der aktuellen Planungsruhe gibt es hier und da heftige Diskussionen, die bisher vorgeschlagenen Trassenführungen betreffend. So manche Gemeinde übte harsche Kritik am möglichen Verlauf der neuen Bundesstraße. Grund genug für Nordsachsens Landrat Michael Czupalla, aktiv zu werden. So will er die einst vom ehemaligen Regierungspräsidenten Steinbach ins Leben gerufene Arbeitsgruppe, bestehend aus Vertretern der Landesdirektion Leipzig, des Landratsamtes und der Oberbürgermeister der betroffenen Städte, wiederbeleben. Eine erste Koordinierungsrunde in dieser Sache ist für diese Woche geplant. Des Weiteren bereitet er einen Brief an Sachsens Ministerpräsidenten Stanislav Tillich vor, in dem er dem Oberhaupt des Freistaates die aktuelle Problemsituation noch einmal verdeutlicht.

Einladung an Peter Ramsauer
Darüber hinaus versendete das Landratsamt eine Einladung an Bundesverkehrsminister Peter Ramsauer, bittet ihn darin, nach Torgau zu kommen und sich von der problematischen Infrastruktur persönlich zu überzeugen. Und schließlich appelliert der Landrat auch noch einmal an die für die B 87n zuständigen Planer, tragbare Trassenvorschläge für die neue Verkehrsachse zu unterbreiten. Das sei aus seiner Sicht bisher nicht geschehen. Vielmehr habe er den Eindruck, dass die gebrachten Vorschläge, die inzwischen zahlreiche Kritik ernteten, mit Bedacht so gewählt wurden, dass die Planumsetzung sich unweigerlich verzögert. Dem müsse entgegengewirkt werden. Denn „aus Sicht der Kreisentwicklung hat das im Bedarfsplan enthaltene Projekt B 87n für den Landkreis Nordsachsen eine herausragende wirtschaftliche Bedeutung als leistungsstarke überregionale Verkehrsachse von West nach Ost für den großräumigen und überregionalen Verkehr“, so die Erklärung des Landratsamtes auf konkrete Nachfrage der Torgauer Zeitung.