Torgau (TZ). Die Torgauer werden den Kampf um eine vierspurige B 87n nicht aufgeben. So viel steht seit der gestrigen Stadtratssitzung fest. Oberbürgermeisterin Andrea Staude eröffnete die Diskussionsrunde mit einem Fazit aus dem Treffen im sächsischen Verkehrsministerium in der vergangenen Woche. „Sachsen plant weiter an der Dreispurigkeit. Wir aber kämpfen weiter für eine vierspurige Straße. Es handelt sich hier um eine Transitstraße, der man Rechnung tragen muss. Je länger mit dem Bau gewartet wird, desto schlechter werden die Verkehrsbelegungen. Das ist klar, denn jeder, der kann, wird sich einen anderen Weg suchen“, so ihre Ausführungen.
Was folgte, waren fast ausnahmslos Worte der Zustimmung. Konrad Theobald zum Beispiel bat seine Kollegen Stadträte, geschlossen für die vierspurige B 87n zu kämpfen. „Ich bin zutiefst enttäuscht, dass das, was 15 Jahre im Bundesverkehrswegeplan steht, einfach wegrasiert wird“, erklärte der CDU-Abgeordnete. Theobald betonte noch einmal, dass mitten in Torgau zwei Bundesstraßen aufeinandertreffen und dann über den Trichter Elbbrücke nach Osten führen. „Wir müssen verdeutlichen, dass wir uns nicht gefallen lassen, was hier jetzt vorgeht“, so seine Meinung. Dem konnte sich Dr. Henjes (SPD) nur anschließen. Gleichzeitig dankte er dem Beilroder Günter Chadde für das von ihm erstellte Arbeitspapier, das tatsächlich eine hilfreiche Argumentationsgrundlage sei. Darüber hinaus betonte Henjes, dass sich eine Region wie die hiesige nur mit einer neuen Bundesstraße weiterentwickeln könne.
„Es gibt ein Sprichwort: Wer aufgibt verliert“, erklärte schließlich der Linke-Abgeordnete Eberhard Sehrt und unterstrich, dass die Mitglieder seiner Fraktion weiterhin für die vierspurige B 87n kämpfen werden und dass er sich dies auch vom gesamten Stadtrat erhoffe. Der FWG-Abgeordnete Eckhard Schultze sprach sogar davon, ganz neue Wege des Kampfes einzuschlagen und führte mögliche Sitzblockaden ins Feld. Mit einem Schmunzeln erklärte Andrea Staude daraufhin, dass man auch derartige Kampfmethoden sicher nicht aussparen dürfe. „Doch es bringt uns sicher nicht viel, wenn wir uns auf die Straße setzen und uns dann jemand wegräumt“, so die Meinung der Oberbürgermeisterin. Vielmehr denkt sie an eine weithin sichtbare und denkwürdige Protestaktion gemeinsam mit den B- 87-Anliegerkommunen bis nach Herzberg hin. Erste Ideen für diese gibt es bereits. Allerdings wollte Staude die Beratung des Herzberger Stadtrates am heutigen Abend abwarten, bevor sie in der Öffentlichkeit konkreter werde. „Wir sind es uns selbst schuldig, dass wir kämpfen. Das heißt ja nicht, dass wir keine dreispurige Straße nehmen würden. Wir wären froh, wenn diese schon da wäre und die Möglichkeit zum Ausbau bestünde. Aber letztere Aussicht wird ja gar nicht gegeben“, stellte die Oberbürgermeisterin noch einmal die aktuelle Situation dar.
Alle Möglichkeiten im Kampf auszuschöpfen, dafür sprach sich auch Stadtrat Peter Deutrich aus, obwohl er sich nach eigener Aussage nicht sicher ist, ob es aus jetziger Sicht nicht vernünftiger wäre, den Spatz in der Hand – die dreispurige Bundesstraße – zu nehmen, als auf die Taube auf dem Dach – die vierspurige Variante – zu warten und am Ende vielleicht mit gänzlich leeren Händen dazustehen. Diese Gefahr sah das Gros der Abgeordneten aber nicht.