Torgau (TZ). „Wenn nicht jetzt, wann dann.“ Spätestens im kommenden Jahr wolle das Europäische Bildungswerk für Beruf und Gesellschaft (EBG) Klarheit darüber haben, ob man in der Region tatsächlich in die Kinderbetreuung einsteigt. Das sagte Grit Blume, Leiterin des EBG-Kompetenzzentrums Sachsen, das in der Leipziger Straße in Torgau seinen Sitz hat. Nachdem man unlängst durch den nordsächsischen Jugendhilfeausschuss als freier Träger der Jugendhilfe anerkannt worden sei, gehe man nun an die Erstellung eine konkreten Bedarfsanalyse, erläuterte Grit Blume.
Das EBG hat sich zum Ziel gesetzt, in Nordsachsen dem Bedarf an Betreuungsplätzen Rechnung zu tragen und eigene Kindertagesstätten zu betreiben. Grit Blume: „Wir werden deswegen natürlich mit Kommunen reden, die sich vorstellen können, ihre Einrichtungen an einen freien Träger abzugeben.“ Nicht ausgeschlossen werden könne – je nach Bedarf – der Bau eigener Einrichtungen. Dabei wolle sich das EBG nicht nur auf die Region Torgau, sondern auf den gesamten Landkreis konzentrieren.
Speziell in puncto Betriebskindertagesstätten sieht Grit Blume eine Chance für das Europäische Bildungswerk. So sollen auch hier Gespräche mit größeren Unternehmen und Einrichtungen geführt werden. „Wir denken, dass in unserem Landkreis Kindergarten-, Hort- und Krippenplätze fehlen“, betonte die Leiterin des Kompetenzzentrums. Eine Annahme, die man beim Landratsamt so nicht unbedingt teilen wollte. Sozialdezernent Günter Sirrenberg: „In der Summe reichen die Plätze.“
Nachdem schon mehrere EBG-Standorte in fünf Bundesländern als freier Träger der Jugendhilfe anerkannt sind, habe nun endlich auch Torgau diese Hürde genommen, betonte Grit Blume. Torgau könne bezüglich der angestrebten Betreibung von Kindertagesstätten auf erste Erfahrungen des EBG-Standortes im sachsen-anhaltischen Aschersleben zurückgreifen, wo seit dem Jahr 2004 bereits zwei Horteinrichtungen mit Erfolg betrieben werden. Punkten wolle man mit einem international ausgerichteten Betreuungskonzept. So ist neben interkulturellem Lernen auch vorgesehen, dass Kinder frühzeitig in Kontakt mit einer Fremdsprache kommen. Grit Blume erläuterte, dass es dabei nicht nur darum gehe, den Jungen und Mädchen die Scheu vor der Sprache zu nehmen. Spielerisch sollten sie gezielt an Englisch oder beispielsweise auch Französisch herangeführt werden. Ein letzter Punkt, mit dem sich eine Kindertagesstätte unter EBG-Trägerschaft von anderen Kitas unterscheiden wolle, seien flexible Öffnungszeiten. „Damit würden wir mit Sicherheit jenen Eltern entgegenkommen, die unregelmäßige Arbeitszeiten haben oder im Schichtdienst tätig sind“, sagte Grit Blume abschließend.