Wellaune. Bei der geplanten Ortsumgehung für Wellaune ist die Bürgerinitiative (BI) einen Schritt weiter. Träger öffentlicher Belange, zum Beispiel Behörden, haben sich mittlerweile zu dem Vorhaben geäußert und Stellungnahmen gegenüber dem Straßenbauamt Leipzig abgegeben. Danach gäbe es "keine gravierenden Einwände", sagte Rainer Förster, Leiter der Behörde, am Montagabend auf einem informellen Treffen der BI im Bürgerhaus des kleinen Stadtteils.
Seit nunmehr acht Jahren kämpfen die Einwohner für eine Ortsumfahrung, weil mitten durch ihr Dorf die viel befahrene Bundesstraße 2 führt. Das Verfahren sei auf einem "guten Weg", so Förster. Sobald die Auswertung der Stellungnahmen abgeschlossen sei, werde eine "endgültige Fassung" zur Vorplanung erstellt und diese dem Bund und Freistaat vorgelegt. Darin werde auch die künftige Trassenführung festgelegt.
Die derzeitige Vorzugsvariante, die vom Bund bereits grundsätzlich bestätigt worden ist, führt im Osten an Wellaune vorbei. Als Knackpunkt könnten sich hier allerdings die Eigentümerverhältnisse erweisen. Denn für den Straßenbau wird Land benötigt und das befindet sich in Privathand und wird landwirtschaftlich genutzt. Bad Dübens Bürgermeisterin Astrid Münster (FWG) wusste deshalb zu berichten, dass die Landwirtschaft an neuen Flächen interessiert sei, zumal die Böden besonders gut seien. "Wir als Stadt sind bereit, in diesem Fall zu moderieren und auch nach geeigneten Flächen zu suchen", erklärte sie. Problematisch sei zurzeit, dass sie nicht wisse, in welchem Umfang Flächen benötigt würden. Straßenbauamtsleiter Förster sagte, dass es auch noch zu früh sei, mit konkreten Zahlen zu arbeiten. Dass sich die Stadt als Vermittler einbringen will, lobte er. Er riet der BI außerdem, Gespräche mit den möglicherweise betroffenen Grund- und Bodenbesitzern zu führen. Diesen Gedanken will Gisela Jäschke, Sprecherin der BI, nun aufgreifen. Und Wellaunes Ortschaftsrätin Cornelia Beer (FWG) erklärte: "Die Gespräche werden schwierig sein, aber wir müssen sie führen." Demnach dürften nicht Natur- und Umweltschützer diejenigen sein, die dem Vorhaben Ortsumgehung aus jetziger Sicht kritisch gegenüber stehen wie bei anderen Straßenverkehrsprojekten, sondern eben Landwirte, die wohl oder übel Flächen bereitstellen müssen.
Die weitere Zeitschiene in Sachen Ortsumfahrung Wellaune sieht dann so aus: Bis Mitte 2012 soll die Vorplanung stehen, anschließend folgt der Antrag zur Planfeststellung (2013). Dieser Abschnitt dauert etwa ein Jahr bis zum Beschluss - 2014 wird also ins Land ziehen. Als möglichen Baustart nannte Förster das Jahr 2015.
Für die BI ist das noch eine lange Zeit. Augenscheinlich zu lange, weshalb BI-Sprecherin Jäschke fragte, ob es denn auch schneller gehen würde? "Wenn keine großen Widersprüche kommen, wäre eine Zeiteinsparung drin", so Förster. Das derzeit avisierte Zeitfenster sei aber "üblich", so der Chef des Straßenbauamts Leipzig. "Vielleicht entdecken wir trotzdem noch eine Lücke und es geht schneller. Ich geb's nicht auf", sagte Jäschke. Die BI erneuerte an diesem Abend ihre Forderung, dass der Landkreis künftig mehr im Dorf blitzt. Dies würde so manche Autofahrer vielleicht veranlassen, langsamer zu fahren. Bürgermeisterin Münster will dazu das Gespräch mit der zuständigen Behörde suchen. Und auch sonst sicherte sie der BI Unterstützung zu.