Kreisgebiet. Der Pflegenotstand ist deutschlandweit ausgerufen, etwa 20000 Stellen können laut Bundesverband privater Anbieter sozialer Dienste (BPA) nicht besetzt werden. In Nordsachsen gibt es laut Landkreisverwaltung und Arbeitsagentur keinen Pflegenotstand. Aktuell sind im Altkreis Delitzsch 13 offene Stellen gemeldet und 174 Arbeitslose und Arbeitsuchende, die sich darum bewerben könnten, registriert.
"Pflegenotstand gibt es hier nicht, das ist in unserer Region kein akutes Problem. Viele private Bildungsträger haben die Lücke entdeckt und sich darauf eingestellt. Viele bilden aus", sagte nordsachsens Sozialdezernent Hans-Günter Sirrenberg gestern auf Anfrage der Kreistzeitung. In den vergangenen zwei Jahren hätten jedoch viele Fachkräfte den Landkreis verlassen, weil vor allem keine Arbeits-Angebote vorlagen. Unattraktive Arbeitszeiten und schlechte Bezahlung hätten das Problem verschärft. So lockten beispielsweise die Schweiz und Österreich mit lukrativen Gehältern in die Ferne. Sirrenberg: "Das hat sich inzwischen geändert. Die Stellen in den nordsächsischen Pflegeeinrichtungen sind besetzt."
Das bestätigte der Verwaltungsdirektor des Krankenhauses Delitzsch, Steffen Penndorf. Er schränkte jedoch ein: "Es wird zunehmend schwieriger, geeignete Bewerber zu finden." Die Landkreiskrankenhäuser Delitzsch und Torgau vereinen unter ihren Dächern eigene Pflegeeinrichtungen. Das Vitaris-Seniorenzentrum in Torgau verfügt über 60 Plätze, das in Oschatz über 87. Die beiden Delitzscher Valere-Einrichtungen haben 60 (Ludwig-Jahn-Straße) und 36 (Gerhard-Müller-Weg) Betten. Das Krankenhaus bildet selber jährlich 18 Gesundheits- und Krankenpfleger in seinen beiden Kliniken in Delitzsch und Eilenburg und bis zu drei Azubis im Bereich Altenpflege aus.
Im Landkreis Nordsachsen gibt es insgesamt 53 Pflegedienste mit 790 Beschäftigten. Hinzu kommen 45 Pflegeheime mit 1730 Beschäftigten. Sirrenberg verweist auf die Tatsache, dass die Anzahl der über 65-Jährigen ständig steigt. Im Jahr 2002 waren es in Nordsachsen noch 40513, vor zwei Jahren schon 48602. Die Prognose für 2020 sagt 54700 voraus. Der Landkreis Nordsachsen zählt aktuell rund 202000 Einwohner. Mit Zunahme der älteren Bevölkerung steigt jährlich auch der Bedarf an Pflegeplätzen und Pflegepersonal.
Der Freistaat Sachsen orientiert auf 2,4 bis drei Prozent Pflegeplätze für die Anzahl der über 65-Jährigen. "Wir kommen rein rechnerisch auf exakt 2353 Pflegeplätze. Laut Vorgabe des Landes müssten jedoch nur 1500 zur Verfügung stehen. Das zeigt, dass wir dem Bedarf gerecht werden. Ich bin mir sicher, dass die ambulanten Pflegedienste in Zukunft an Bedeutung gewinnen und zunehmen werden", sagte der Sozialdezernent. Denn auch die älteren Menschen wollen so lange wie möglich in den eigenen vier Wänden leben.
Obwohl der deutsche Arbeitsmarkt ab 1. Mai für osteuropäische Fachkräfte geöffnet wird, werden Pflegekräfte aus Polen und Tschechien im Freistaat Sachsen die Ausnahme bleiben. Davon geht der BPA aus. Das Thema Osteuropa spiele laut Sirrenberg in Nordsachsen noch keine Rolle: "Für mich ist es der richtige Weg, dass es Initiativen gibt, Arbeitslose für diesen Bereich fit zu machen. Wenn wir in der Region über qualifiziertes Personal verfügen, das auch ordentlich bezahlt wird, dürften es ausländische Pflegekräfte schwer haben, hier Stellen zu finden." Denn das Geld spielt eine wesentliche Rolle. Angebot und Nachfrage werden auch zukünftig von den Löhnen mitbestimmt.