1. Dezember 2011 Frank Hörügel (Oschatzer Allgemeine Zeitung)

Bessere Chancen für Jobeinstieg - Arbeitsmarkt im November

Entwicklung auf Arbeitsmarkt im Agenturbezirk Oschatz kommt Langzeiterwerbslosen zugute

Oschatz. Der Arbeitsmarkt entspannt sich zusehends. Damit steigen auch die Chancen von Frauen und Männern, die lange Zeit ohne Job waren, wieder eine feste Stelle zu bekommen. Das Jobcenter Nordsachsen hilft beim Wiedereinstieg in den Beruf.
Die berufliche Perspektive von Gudrun Zieger sah bis vor kurzem eher düster aus. "Ich war seit vielen Jahren arbeitslos, habe keinen Führerschein und bin keine Zwanzig mehr", sagt die 61-jährige Oschatzerin. Dennoch hat sie jetzt einen festen Job - als Betreuerin in der Tagespflegeeinrichtung des Deutschen Roten Kreuzes (DRK) in der Goethestraße. Zuvor hatte die Oschatzerin hier bereits ehrenamtlich und im Rahmen eines Ein-Euro-Jobs gearbeitet. "Wir haben gute Erfahrungen mit Frau Zieger gemacht und uns entschlossen, ihren Aufgabenbereich zu erweitern", erklärt Anne Lissner, Geschäftsführerin des DRK-Kreisverbandes Torgau-Oschatz.
Gudrun Zieger ist längst kein Einzelfall mehr. Auch Anita Keßler (29) aus Dahlen ist als Mutter von zwei kleinen Kindern nach längerer Erwerbslosigkeit der Wiedereinstieg in den Beruf geglückt. Sie arbeitet jetzt in der mobilen Krankenpflege bei der Arbeiterwohlfahrt.
Die beiden Frauen sind zwei von über 11 000 Langzeitarbeitslosen im Kreis Nordsachsen, denen der Jobeinstieg geglückt ist. Nach dem Wunsch von Frank Germer sollten es noch viel mehr werden. "Leider gibt es immer noch Vorbehalte von Unternehmen, wenn der Lebenslauf nicht so geradlinig ist. Manchmal trauen sich Arbeitslose mitunter zu wenig zu, wenn es um den Wiedereinstieg ins Berufsleben geht", beschreibt der Geschäftsführer des Jobcenters Nordsachsen die Hindernisse. Wenn nötig, hilft die Behörde auch nach. Sowohl bei Gudrun Zieger als auch bei Anita Keßler zahlt das Jobcenter einen Eingliederungszuschuss. Die Beschäftigungsaufnahme, so Germer, könne auch durch Bildungsgutscheine unterstützt werden. © Standpunkt

Die Erwerbslosigkeit ist im November in der Region Oschatz leicht auf 10,7 Prozent angestiegen (Oktober: 10,3 Prozent). Im November 2010 lag die Erwerbslosenquote bei 11 Prozent. Der Anstieg gegenüber Oktober ist laut Agenturleiterin Marlies Hoffmann-Ulrich im Vergleich zu den Vorjahren moderat ausgefallen. Hauptgrund ist die milde Witterung im November. Für Dezember und Januar rechnet die Agenturchefin mit einem Anstieg der Erwerbslosenzahlen. Die Entwicklung im nächsten Jahr wird nach ihrer Einschätzung davon abhängen, wie sich die Baubranche entwickelt. In der Region Oschatz wurden im November 70 neue Stellen gemeldet - 18 in der Zeitarbeitsbranche, 15 im Bausektor und elf im verarbeitenden Gewerbe. Nach einer Statistik der Arbeitsagentur ist die Zahl der sozialversicherungspflichtig Beschäftigten in der Region Oschatz angestiegen - von 14 805 im März 2010 auf 14 872 im März 2011. Aktuellere Zahlen liegen noch nicht vor. Laut Arbeitsagentur ist der Zuwachs an Beschäftigung besonders bei älteren Arbeitnehmern ab 55 Jahre und bei Jugendlichen zu Stande gekommen. In der Region Oschatz ist die Jugendarbeitslosigkeit im Jahresvergleich 20 Prozent niedriger.