Der Abwasserzweckverband Unteres Leinetal (AZVUL) hat am Montagabend mit den Stimmen der Gemeinde Löbnitz und Schönwölkau, die Stadt Delitzsch enthielt sich, beschlossen, die Leistungen für die technische und kaufmännische Betriebsführung des Verbandes an die OEWA Wasser und Abwasser GmbH abzugeben. Die europaweite Ausschreibung, aus der schließlich dieser Dienstleister hervorging, hatte der Verband im August 2010 beschlossen und von einem Ingenieurbüro betreuen lassen.
Der neue Partner soll helfen, den finanziell schwer angeschlagenen Verband aus der Krise zu führen. "Wir wollen aus der derzeit schielenden, tauben und humpelnden Braut in einem Zeitraum von etwa fünf Jahren ein ansehnliches Mädchen machen", erklärte der Schönwölkauer Bürgermeister und Verbandsvorsitzender Volker Tiefensee (CDU) bereits im Dezember seine Pläne für den AZVUL (wir berichteten). Die Betriebsführung durch einen privaten Dienstleister gilt dabei als eine Etappe.
Vorangegangen waren Bemühungen, das Untere Leinetal durch benachbarte Verbände führen zu lassen. Noch bis zum 31. Dezember des vergangenen Jahres war der Zweckverband Abwassergruppe Dübener Heide (ZAWDH) für die Betriebsführung zuständig. Dem wurde diese Aufgabe im Juli 2009 übertragen. Knapp zwei Monate später offenbarte ein Haushaltszwischenbericht, wie schlecht es um den AZVUL steht. So stellte ZAWDH-Geschäftsführer Ulrich Maier fest, dass neben dem hohen Schuldenstand von damals 5,4 Millionen Euro der Verband noch ein ganz anderes Problem habe. Denn seit 2007 wies der Verwaltungshaushalt, der zur Aufrechterhaltung des laufenden Betriebes dient, ungedeckte Positionen auf, die bis 2008 mit dem Griff in den Vermögenshaushalt ausgeglichen wurden. Eine Last, die der ZAWDH nicht länger als nötig tragen wollte und deshalb schnell von seinem Kündigungsrecht Gebrauch machte. Kein anderer Verband im Umkreis habe die Aufgaben der Betriebsführung übernehmen wollen, hieß es immer wieder im Vorfeld der Vergabe. Der Verband, der ein Einzugsgebiet mit rund 5000 Einwohnern entsorgt, ist derzeit mit rund sechs Millionen Euro Schulden und einem negativen Eigenkapital von 1,1 Millionen Euro belastet. Die Außenstände sollen sich auf rund 600000 Euro belaufen.
Insbesondere vom kaufmännischen Know-how des Dienstleisters OEWA, der auch die vier AZV-Beschäftigten übernimmt, will der Verband künftig profitieren. Mit dem neuen Betriebsführer werde es "kurz- und mittelfristig" nicht zu Kostensteigerungen kommen, so Tiefensee im Vorfeld der Vergabe gegenüber der Kreiszeitung.