Pohritzsch. Hans-Peter Richter hält an seinem Vorhaben fest und strukturiert das Unternehmen SDR Biotec Pohritzsch um. Die gefährliche Abfallbehandlung wird komplett stillgelegt. Die Zukunft gehört dem innovativen Bereich, der Entwicklung von neuen Produkten wie Glasfasern und Baustoffen. Richter kämpft momentan um Kredite.
Wenn ein Neustart unter einem sprichwörtlich schlechten Stern stehen kann, dann blickt Geschäftsführer Richter auf einen Sternenhimmel. Aber, er guckt nach oben. Denn die neuen Wege sind unbestritten. Eine Razzia bei der SDR Biotec Verfahrenstechnik Pohritzsch platzte vor wenigen Tagen voll in die Umstrukturierung des Betriebes. Geschäftspartner Jörg Schmidt ist in den Ruhestand gegangen. Die Grünen im sächsischen Landtag wühlen noch immer im Müll ... (wir berichteten). Die Bewältigung dieser Probleme und die Neuausrichtung stelle eine große Herausforderung dar. "Ich bin optimistisch, was die Zukunft des Unternehmens anbelangt. Trotz aller Probleme erwarten wir einen wichtigen Kredit. Die aktuellen Ereignisse beeinflussen unsere Bemühungen um den Neuanfang, aber sie werfen uns nicht aus der Bahn", sagte Richter am Freitag auf Anfrage der Kreiszeitung. Was die Razzia anbelange, mache er sich "überhaupt keine Sorgen und habe auch keine Befürchtungen".
Der Geschäftsführer jagt momentan von einem Termin zum nächsten, um das Projekt "Faser" vorzubereiten. Am Freitag beispielsweise reiste Richter nach Hannover, um ausländische Kunden zu treffen, die Interesse an den Glasfaserprodukten aus Pohritzsch haben. Geplant ist ein weltweiter Vertrieb. Zudem laufen umfangreiche Verhandlungen mit Banken und Kreditinstituten. Die angekündigte Aufnahme der Produktion von Textilglasfasern mit einem breiten Anwendungsspektrum wird demnächst von der Pohris Fiber GmbH aufgenommen. Dort erhalten die 30 Mitarbeiter der Sparte Faser der SDR Biotec Verfahrenstechnik ihre neuen Arbeitsplätze, weitere 16 Stellen werden noch in diesem Jahr neu geschaffen, verspricht Richter. Ab Dienstag will sich die Pohris Fiber GmbH auf der JEC Composites Show, der weltweit führenden Fachmessen der Verbundwerkstoffindustrie, in Paris präsentieren.
Von der Geschäftsführung sind inzwischen Maßnahmen eingeleitet worden, die Sparte Abfall nach einer Analyse der bisherigen Behandlung auf ein neues Konzept umzustellen. Die damit verbundenen Vorbereitungsarbeiten für technologische und technische Veränderungen der Technik benötigen Zeit, die Mitarbeiter befinden sich daher zurzeit in Kurzarbeit, teilt das Unternehmen in einer Pressemitteilung mit. Ziel sind eine Umstellung des Anlagenkonzeptes auf die Verarbeitung nicht gefährlicher Abfälle, wie beispielsweise Böden, Sande, Überreste aus der Trinkwasserreinigung, und in naher Zukunft die Herstellung ökoeffizienter Baustoffe.