Oschatz/Riesa. Die beruflichen Hoffnungen von Antje Müller ruhen auf einem Wort: Bürgerarbeit. Beim Sportclub (SC) Riesa gibt es für die Oschatzerin über Bürgerarbeit Bedarf als Kinderbetreuerin beim Schwimmtraining. Doch die Kreisgrenze zwischen Oschatz und Riesa könnte die Hoffnungen der 36-Jährigen zunichte machen.
Seit vier Jahren ist Antje Müller ehrenamtlich als Übungsleiterin in der Abteilung Schwimmen beim SC Riesa im Einsatz. Seit September 2010 ist die Oschatzerin arbeitslos und würde gern über Bürgerarbeit beruflich Fuß fassen. "Beim SC Riesa hätte ich gute Chancen", sagt die 36-Jährige. Die Geschäftsführerin des Sportclubs, Peggy Freytag, bestätigt das: "Ja, wir haben bis jetzt Frau Müller in die Bürgerarbeit geplant und hoffen weiterhin auf einen positiven Bescheid." Die Oschatzerin würde für gemeinnützige Tätigkeiten wie die Betreuung von Kindern bei den Schwimmkursen, ihre Beförderung von der Kita zur Schwimmhalle oder beim Vorbereiten von Wettkämpfen gebraucht. Laut Geschäftsführerin Freytag sollen vier Stellen mit Bürgerarbeitern besetzt werden.
Ob Antje Müller eine dieser Stellen bekommt, steht in den Sternen. Grund: Als Oschatzerin wird die 36-Jährige vom Jobcenter Nordsachsen betreut. Und Nordsachsen beteiligt sich nicht am Projekt Bürgerarbeit. Der Landkreis habe sich für eine Orientierung auf den ersten Arbeitsmarkt und nicht für einen subventionierten Marktersatz wie Bürgerarbeit entschieden, nennt der Geschäftsführer des Jobcenters Nordsachsen Frank Germer einen Grund.
Der Nachbarlandkreis Meißen, zu dem Riesa gehört, setzt dagegen auf Bürgerarbeit. "Ich möchte arbeiten, würde beim SC Riesa eine Chance bekommen - nun hängt alles an der Bürokratie", ärgert sich Antje Müller. Aus ihrer Sicht könnte eine individuelle Lösung der Ausweg sein, auf die sich die Jobcenter Nordsachsen und Meißen verständigen sollten.
Der Jobcenter-Chef von Nordsachsen sieht das kritisch. "Bürgerarbeit wird nur modellhaft durchgeführt und ist daher nicht überregional vernetzt", so Frank Germer. Jedes Jobcenter werde daher versuchen, seine eigenen Leute unterzubringen. Eine weitere Schwierigkeit sei, dass der Bürgerarbeit eine sechsmonatige Aktivierungsphase voraus gehe. Erst wenn in dieser Zeit keine Vermittlung in den ersten Arbeitsmarkt erfolge, könne die Bürgerarbeit beginnen. Eine individuelle Lösung werde es deshalb "in der Praxis eher nicht" geben, so Jobcenter-Chef Germer.
Hintergrund Bürgerarbeit
Bürgerarbeit wird vom Bundesverwaltungsamt bewilligt. Die Bürgerarbeit gliedert sich in zwei Phasen - eine mindestens sechsmonatige Aktivierungsphase und eine anschließende Beschäftigungsphase. Es handelt sich dabei um eine sozialversicherungspflichtige Beschäftigung, die auf maximal drei Jahre befristet ist. Der Bürgerarbeiter bekommt für eine Beschäftigungszeit von 30 Stunden pro Woche ein Arbeitsentgelt von 900 Euro und eine Pauschale für die Sozialversicherung in Höhe von 180 Euro. In Sachsen bieten sechs Jobcenter und einige kommunale Träger Bürgerarbeit an. Sachsen hat ein Kontingent von knapp 300 Plätzen.
Quelle: Arbeitsagentur Oschatz