17. März 2011 Eileen Jack (Leipziger Volkszeitung)

Bürgerinitiative wirbt für vierspurige B 87

Ziel: Kommunen in ein Boot holen

Torgau. Die Belastung der B 87 wird bis zum Jahr 2025 enorm zunehmen. Das ist das Ergebnis der Studie "Verkehrsstrompotenziale A 16/B 87 Leipzig - Herzberg - Lübben - Frankfurt (Oder)", die von der IHK Cottbus gemeinsam mit anderen Partnern aus der Region Herzberg initiiert wurde. "Die Verkehrsnachfrage steigt überproportional an", heißt es in Auswertung. Im Vorfeld der Präsentation dieser Ergebnisse gründete sich im Raum Herzberg die Bürgerinitiative "Pro Ausbau B 87".
Auf die Barrikaden gehen
"Unser Ziel ist es, dass die B 87 von der A 14 bis Zwethau vierspurig ausgebaut und dann dreispurig fortgesetzt wird. Die Entscheidungsträger in Potsdam und Berlin sollen sehen, dass die Bürger von Leipzig bis Frankfurt/Oder auf die Barrikaden gehen, wenn der Ausbau nicht wie angekündigt realisiert wird", erklärt Initiator Gerd Rothaug. Als Mitglied der Vollversammlung der IHK Cottbus und gleichzeitiger Vorsitzender des Regionalausschusses des Elbe-Elster-Kreises hatte er die besagte Verkehrsentwicklungsstudie mit angeschoben. Letztere förderte hochinteressante Ergebnisse zu Tage. So heißt es unter anderem: "Wird die B 87 mit einem 2+1-Modell ausgebaut (wechselseitige Überholmöglichkeit), fahren im Jahr 2025 auf dieser Trasse zwischen 8000 bis 25 000 Kfz pro Tag, bei einem vierstreifigen Ausbau bis 29 000 Kfz pro Tag und im Fall eines Autobahnneubaus A 16 19 000 bis 40 000 Fahrzeuge. Die Reisezeiteinsparungen im Jahr 2025 betragen bei einem vierstreifigen Ausbau zwischen Leipzig und Frankfurt/Oder über eine Stunde; zwischen den Städten Torgau, Eilenburg, Herzberg, Luckau, Lübben, Beeskow werden jeweils durchschnittlich 15 Prozent Zeit gespart. Der Wirtschaftsverkehr hat dann 5,3 Millionen Stunden pro Jahr weniger Zeitaufwand.
Folgende wirtschaftliche Effekte sind auf einer vierstreifig ausgebauten B 87 im Jahr 2025 möglich: Es können bis zu 220 Millionen Euro Zeitkosten pro Jahr gespart werden und durch Ortsumfahrungen sind jährlich 110 Unfälle mit Personenschäden, 470 Unfälle mit Sachschäden und Unfallkosten bis zu 8,6 Millionen Euro vermeidbar."
Nicht nur Gerd Rothaug ist sich sicher, dass die B 87 eine Alternativroute zum staugefährdeten Berliner Ring werden kann. "Eine Entlastung des südlichen Berliner Rings ist abschnittsweise um circa neun Prozent östlich des Autobahnkreuzes Schönefeld und bis 13 Prozent östlich des Autobahndreiecks Nuthetal möglich. Sie kann als attraktive Alternativroute für den Fernverkehr zwischen Nordost- und Südwest-Europa eine Verbindungsfunktion im europäischen Verkehrsnetz wahrnehmen. Damit erreichen auch 670 000 Einwohner (das heißt jeder Zweite der Region) wesentlich schneller eine Autobahn.
Die B 87 kann einen deutlichen Beitrag zur Entwicklung der regionalen Wachstumskerne Westlausitz, Cottbus, Frankfurt/Oder, Eisenhüttenstadt leisten. Mit erheblichen Kraftstoffeinsparungen aufgrund der kürzeren Reisezeit und einem um 81 000 t/Jahr geringeren CO2-Ausstoß hätte eine vierstreifige B 87 im Jahr 2025 positive Umwelteffekte", so die Ergebnisse der Studie zur Verkehrsentwicklung. Die hat in den Herzbergern den Willen verstärkt, alles Menschenmögliche für den Ausbau der B 87 zu unternehmen.
Präsenz nach außen
Dafür wollen sie gern auch die Torgauer und alle anderen betroffenen Kommunen mit ins Boot holen, hatten deshalb zu einer Informationsveranstaltung geladen. Die Unterstützung ihrer Stadtverwaltung ist ihnen dabei mehr als sicher. "Wir ziehen an einem Strang", versichert Gerd Rothaug. Die Bürgerinitiative (BI) wünscht sich auch von der Stadt Torgau die entsprechende Unterstützung. Zumindest bei der Informationsveranstaltung im Februar war ein Vertreter Torgaus zugegen.
Um den Willen der Bevölkerung nach einem Ausbau der B 87 auch nach außen hin zu demonstrieren, hat die Bürgerinitiative Transparente sowie Aufkleber für Autos und Briefkuverts drucken lassen. "Wir hoffen, dass möglichst viele von dieser Möglichkeit, sich auszudrücken, Gebrauch machen", erklärt BI-Initiatior Gerd Rothaug. Er würde es am liebsten sehen, dass in jeder Kommune entlang der B 87 Transparente vom ersehnten Ausbau der Trasse künden. "Hier geht es nicht nur um die Region Herzberg, sondern zum Beispiel auch um Torgau. Von beiden Städten aus benötigt man im Moment gut eine Stunde bis zur Autobahn. Das darf nicht so bleiben. Wir brauchen eine vernünftige Verkehrsanbindung, um die Region wirtschaftlich weiterzuentwickeln", betont Rothaug und unterstreicht dies noch einmal mit der überdurchschnittlichen Nutzung der Trasse durch Lkw. "Hier in Herzberg haben wir einen Lkw-Anteil auf der B 87 von rund 25 Prozent. Deutschlandweit liegt der Durchschnitt bei 10 bis 15 Prozent."