Pristäblich (red). Wegen der Vertagung ihrer Entscheidung zur geplanten Hühner-Massentierhaltung in Pristäblich hat der Vorsitzende des Bundes für Umwelt und Naturschutz Sachsen, Hans-Udo Weiland, der Kirche ein "Armutszeugnis" ausgestellt. Wie berichtet, ist die Kirche im Zwiespalt, ob sie mehrere Hektar Land an die Alfra verpachtet, die darauf eine Hennenaufzuchtanlage mit 71 000 Plätzen errichten will. "Hin- und hergerissen zwischen weltlicher Profitgier und christlichen Glaubensgrundsätzen, das charakterisiert nicht nur die Lage des Gemeindekirchenrats in Laußig sondern bedauerlicherweise auch die Situation des Kirchenkreises Torgau-Delitzsch und der evangelischen Kirchenprovinz Sachsen", so Weiland in einer Pressemitteilung. Superintendent Christian Stawenow, der das Taktieren in Fragen der Massentierhaltung damit begründe, dass die Kirche "tief in die Gesellschaft hinein verwurzelt sei und ihr ähnliche Stimmungsbilder abbilde", ignoriere damit aus seiner Sicht die Verantwortung seines Amtes. "Wenn die Kirche weiterhin ihre Ideale verrät und sich darauf beschränkt, Stimmungsbilder der Gesellschaft abzubilden, macht sie sich damit zum Büttel der Politik und skrupelloser Geschäftemacher."
Weiland kritisiert in diesem Zusammenhang, dass sich die Kirchenleitung im Zusammenhang mit der geplanten Schweinemastanlage in Krippehna (Gemeinde Zschepplin) bereits seit 2007 keine klare Position beziehe. "Stattdessen werden Pfarrer, die sich gemeinsam mit den Bürgern gegen diese tierquälerische Massen-Tierhaltung zur Wehr setzen, an andere, weit entfernte Orte versetzt", so Weiland. Stawenow würde zudem nicht auf mehrfache Gesprächsangebote des BUND reagieren. Er werfe ihm, Weiland, jetzt allerdings vor, die zu beschimpfen, die die Tiere schützen könnten. "Warum schützen Sie dann nicht endlich die gequälte Kreatur, Herr Stawenow? Warum fassen Sie nicht endlich in der Kirchenleitung die lange fälligen Beschlüsse zur Ächtung der Massentierhaltung. Warum versuchen Sie, das Problem, das natürlich einen Konflikt mit der sächsischen Staatsregierung bedeutet, einfach auszusitzen?", kontert der BUND-Chef.
Nicht der BUND sei der Angreifer, wenn er sich für eine nachhaltige Landwirtschaft, artgerechte Tierhaltung und die Gesundheit der Menschen einsetze. "Die wahren Angreifer auf ein christliches Miteinander zur Bewahrung der Schöpfung sind vielmehr die, die im Namen des Vaters, des Sohnes und des Heiligen Geistes grausamer Tierquälerei und der Schädigung von Mensch und Umwelt aus kommerziellen Interessen Vorschub leisten", so Weiland.