Mit einem Freitag geht das Jahr zu Ende. Doppelter Anlass für die Chefsache an dieser gewohnten Stelle, im gewohnten Outfit, allerdings im zu Ende gehenden Jahr 2010 zum allerletzten Mal. Und auch die letzte Chefsache des Jahres wird, wie in den 52 Wochen zuvor, Probleme, Ereignisse, Gedanken aufgreifen, die nicht nur bequemen Inhaltes sind, sondern sich mit konstruktiver Kritik einmischen wollen in die Belange unseres nordsächsischen Alltages. Schließlich ist es für uns als Lokaljournalisten ureigenste Aufgabe, Ihre Interessen, verehrte Leserinnen und Leser, an die „Politik-Macher“ unserer Region nicht nur heranzutragen, sondern auch in ihrer Umsetzbarkeit zu hinterfragen beziehungsweise voranzutreiben. Das war so und wird auch im neuen Jahr 2011 so bleiben. Was ebenfalls bleiben wird, ist unser Interesse an Ihrer Meinung, an Ihren Hinweisen. Behalten Sie es nicht für sich, wenn Sie mit verschiedenen Dingen, die Entwicklung der Region betreffend, nicht einverstanden sind, Vorschläge haben.
Bilanz zum ausklingenden Jahr ziehend, haben sich zumindest die Befürchtungen nicht erfüllt, die nach den milliardenschweren Spekulationen und dem damit einhergehenden Finanz- und Wirtschafts-Crash einen weiteren Abwärtstrend prognostizierten. Verschiedene Programme haben gegriffen, Branchen wie der Maschinenbau und auch das Bauwesen konnten den Niedergang wieder umkehren. Allerdings bin ich weit davon entfernt, in den großen Freudentaumel verschiedener Politiker, vor allem auf Bundes- und Landesebene, mit einzuschwenken. Wenn da von einem deutlich spürbaren Aufschwung die Rede ist, dann mag das für strukturbestimmende Bundesländer so sein, für die neuen, nach wie vor strukturschwachen Länder ist er noch nicht in dem Umfange angekommen, wie wir uns das alle wünschen würden. Beim „Kramen“ in den Finanzhaushalten der Kommunen wird mehr als deutlich, wo der Schuh drückt, wo uns auch für die nächsten Jahre an der einen oder anderen Stelle zwangsläufig die Hände gebunden sein werden. Umso wichtiger ist es deshalb, dass tatsächlich dort, wo es am notwendigsten ist, das knappe Geld eingesetzt wird. Und da sind es halt die Bedingungen in den Kitas, in den Schulen, die so optimal wie nur irgend möglich zu gestalten sind. Wir brauchen keine goldenen Wasserhähne oder gepflasterten Feldwege, keine Rennpisten zwischen zwei Wiesen. Das macht nicht die Lebensqualität aus, die wir benötigen, um jungen Menschen eine Perspektive in unserer Region zu bieten.
Dabei macht es nicht die Menge der Wünsche, die Menge der spürbaren Veränderungen, die wir für die Region und damit für uns alle 2011 anmahnen. Verehrte Verantwortungsträger in Nordsachsen, in der Kreisstadt, konzentriert Euch, auch ausgehend von den eingeschränkten Ressourcen, auf einige wesentliche Dinge. In Sachen Bundesstraße 87n ist außer mehr oder weniger großen Worten 2010 nicht viel geworden. Stabilität für das Schulnetz im Landkreis sieht anders aus, als es die jetzige Situation hergibt. Arbeitet gemeinsam an der Lösung des noch nicht einmal auf seinem negativen Höhepunkt befindlichen Problems der Versorgung mit ärztlichen Leistungen, sowohl im Bereich der Allgemeinmediziner als auch im Bereich der Fachärzte. In der Kreisstadt gilt es mehr denn je, alle Kräfte für eine attraktivere Innenstadt zu bündeln, damit Bedingungen für die Verringerung des Geschäfts-Leerstandes in der City zu schaffen. Landkreis und Stadt stehen gemeinsam in der Pflicht, wenn es darum geht, den in der Region wirkenden Unternehmen ein machbares, möglichst optimales Umfeld für ihre weitere erfolgreiche Arbeit, ihre Zukunft im Interesse der Region zu gestalten.
Das neue Jahr trägt nicht nur aus meiner Sicht einen richtungsweisenden Charakter. 2011 dürfte zum Jahr der Wahrheit werden. Entweder gelingt es allen konstruktiven Kräften, den Landkreis zu einem überlebensfähigen Gebilde im Freistaat zu entwickeln, oder aber wir bereiten gemeinsam die feindliche Übernahme in einen neuen Landkreis vor. Ich bin für die erste Variante. In diesem Sinne Ihnen allen ein gesundes und erfolgreiches Jahr 2011!