21. Februar 2011 Heike Liesaus (Leipziger Volkszeitung)

"Das Einzige, was uns noch fehlt, sind Sie"

Kreisverband des Deutschen Roten Kreuzes will Katastrophenschutz-Einheit aufbauen und sucht weiter Freiwillige


Eilenburg. Nur neun Bereitschaftserklärungen konnte Karin Schreiber, die Vorstandsvorsitzende des Eilenburger Kreisverbandes des Deutschen Roten Kreuzes (DRK), verteilen. Trotzdem war die Stimmung beim ersten Treffen zum Aufbau einer Katastrophenschutzeinheit mit Betreuungsgruppe und im Verpflegungstrupp optimistisch.
"Na, das schaffen wir doch", sagt eine ehemalige Lehrerin zu ihrer Nachbarin, als Fred Hannemann, der Bereitschaftsleiter des Kreisverbandes, die Aufgaben erklärt. Sie ist in Altersteilzeit und neben ihr sitzt eine Doberschützerin. Auch sie war bisher nicht beim DRK. "Ich hatte es in der Zeitung gelesen, wollte mir das mal anhören und mich dann entscheiden." Der 57-Jährigen ist wichtig, bei Notfällen nicht unbedingt Verletzte versorgen zu müssen. Das traut sich die Fernmeldemechanikerin nicht zu, aber generell würde sie schon gern eine Aufgabe haben. "Ja, und das hier würde mich schon interessieren."
Hannemann erklärt am praktischen Beispiel, was auf die Helfer zukommen könnte. Er nimmt einen schweren Zugunfall auf der Bahnstrecke bei Wölpern an. Dann würden um den Ort des Geschehens drei Zonen eingerichtet. Die Kräfte der Einheit seien für die zweite vorgesehen. "Wir bauen Zelte auf, stellen Liegen rein", erklärt er. Währenddessen seien Sanitäter mit der Erstversorgung und Sichtung von Verletzten beschäftigt. Damit hätte diese Einheit aber nichts zu tun. Deren Mitglieder seien danach dafür da, gehbehinderte oder auch blinde Menschen zu einem Sammelpunkt zu geleiten. Zelte und Liegen der Betreuungsgruppe seien nicht dazu da, Verletzte aufzunehmen, sondern um die anderen Helfer zu versorgen. Deshalb gehören auch drei Mann dazu, die eine Feldküche betreiben. Die technische Ausrüstung ist schon bereitgestellt. Hannemann zählt Transporter, die Feldküche und Zugfahrzeug auf. Ebenfalls schon geklärt sei, dass ein Händler die Helfer selbst in Nachtstunden einkaufen lässt, falls einmal der Ernstfall eintreten sollte. "Das Einzige, was uns noch fehlt, sind Sie", fasst der 52-Jährige zusammen. Zudem könne im Bekanntenkreis nachgefragt werden, ob dort jemand Erfahrung mit einer Feldküche hat, regt er an. Ansonsten würden die Freiwilligen natürlich auch geschult. Doch es müssten sich schon noch einige finden. Es waren nicht so viele wie gedacht zum Treffen in der Geschäftsstelle des Eilenburger DRK erschienen. Drei Erzieherinnen aus dem Kindergarten gegenüber würden zum Beispiel mitmachen. Aber auch ein Rettungssanitäter sitzt in den Reihen. Neun Formulare für Bereitschaftserklärungen werden so an die potenziellen Mitstreiter verteilt. Sie können darüber nachdenken und sie zu Hause ausfüllen. Mindestens gebraucht würden aber insgesamt 14 Leute. Eigentlich sollte der Zug sogar besser noch die doppelte Besatzung haben.
Die Bereitschaftserklärungen werden später vom Verband auch zur Information an den Arbeitgeber weitergegeben, mit einem Anschreiben, dass die Arbeit im Katastrophenschutz in seinem Interesse sei. Es gibt DRK-Dienstkleidung und den kurzen Ersthelferlehrgang für jeden. Und es brauche niemand Angst zu haben: "Bei uns geht es nicht mit 'Achtung' und auf Kommando", erläutert Hannemann weiter. Der Termin fürs nächste Treffen wird auch schon festgelegt: "Am 24. März um 17 Uhr sind wir wieder hier."