Nordsachsen (TZ). Im Landkreis wächst das Interesse am Bildungs- und Teilhabepaket der Bundesregierung spürbar: Während Ende vergangener Woche im Bereich der Wohngeldempfänger 400 Anträge beim Sozialamt eingegangen waren, vermeldete das Jobcenter (Hartz IV) bereits 1000. Noch vor wenigen Tagen lagen insgesamt erst 200 Anträge vor.
Das gestiegene Interesse führt Günter Sirrenberg, Sozialdezernent im Landratsamt, vor allem auf die verstärkte Aufklärung in den Kindertagesstätten und Schulen zurück. Wurde anfangs gezielt in größeren Einrichtungen auf die Möglichkeiten, die das Bildungs- und Teilhabepaket bietet, hingewiesen, habe man nun auch alle kleineren Einrichtungen abgearbeitet. Ebenso habe man nochmals den Kontakt zu den Bürgermeistern gesucht, erläuterte der Sozialdezernent. Demzufolge sollte es keine Probleme geben, wenn Anträge nun auch bei den Kommunen abgegeben werden. Der Hauptanteil der Anträge entfällt derzeit auf die Kosten-Erstattung der Mittagsversorgung. Gut ein Drittel (36 Prozent) ziele darauf ab, sagte Sirrenberg. Immerhin 15 Prozent entfielen auf die Teilhabe am Vereinsleben (u.a. Übernahme von Mitgliedsbeiträgen).
Das von der Regierung geschnürte Paket ermöglicht nun auch Wohngeldempfängern, Schulbedarf in Höhe von 100 Euro geltend zu machen. Dies kann, im Gegensatz zur Mittagsversorgung, jedoch nicht rückwirkend erfolgen.
Nicht zuletzt wegen der momentan noch vielen unterschiedlichen Fristen spricht Sozialdezernent Sirrenberg offen von einem geschaffenen Bürokratiemonster. Ungeachtet dessen gäbe es immer noch keine Handlungsanweisung, wie die von der Regierung versprochene Verlängerung der nun bis Ende Juni rückwirkenden Antragsfrist umgesetzt werden soll. „Derzeit können wir rückwirkend nur das bearbeiten, was bis zum 30. April bei uns beantragt wurde“, sagte Sirrenberg. Im Falle des Mittagessens genüge es dabei schon, wenn das Kind nachweislich in dem jeweiligen Monat an der Versorgung teilnahm. Pauschal würden dafür 26 Euro veranschlagt.
Hat das Jobcenter bereits mit den ersten Zahlungen begonnen, dauert es beim Sozialamt wohl noch bis Mitte Mai. Grund ist das Einpflegen von Datensätzen in eine neue Software. Sachbearbeiterin Nicole Loose machte jedoch darauf aufmerksam, dass Fälle, bei denen kurzzeitiger Bedarf bestehe, vorrangig behandelt würden. „Hier sollten die Leute keine Scheu davor haben, uns auf die Dringlichkeit hinzuweisen“, sagte Loose. Als Beispiel nannte sie die Kostenübernahme von mehrtägigen Klassenfahrten.