29. Oktober 2011 Sebastian Stöber (Torgauer Zeitung)

Das Jubiläum abgerundet

Mockrehna (TZ). Gleich zu Beginn gab es eine klare Botschaft. Die Feuerwehren dürften nicht kaputt gespart werden. Viele Politiker würden vergessen, welch wichtige Arbeit die Kameraden leisteten, sagte Jens Radtke. Der stellvertretende Leiter der Feuerwehr Mockrehna eröffnete mit diesen ernsten Worten die gestrige Festsitzung anlässlich des 100-jährigen Bestehens der Freiwilligen Feuerwehr Mockrehna.
Gemeinsam mit zahlreichen Gästen aus der lokalen Politik und von befreundeten Wehren feierten die Jubilare aber nicht etwa in den eigenen vier Wänden des Feuerwehrgerätehauses. Dafür war die Gästeschar viel zu groß. Stattdessen traf man sich im Saal des Sächsischen Landesamtes für Umwelt, Landwirtschaft und Geologie. Dort präsentierten die Mockrehnaer Floriansjünger ein straffes Programm mit erquickend kompakten Redebeiträgen. Da machte die Festansprache von Wehrleiter Frank Dörschmann keine Ausnahme.

Der Multifunktionär – Dörschmann ist auch noch Gemeindewehrleiter und stellvertretender Kreisbrandmeister – nahm seine Zuhörer  mit auf eine Tour durch die zurückliegenden 100 Feuerwehrjahre. Angefangen bei den ersten Aktiven, die für ihre Uniformen noch Pfand bezahlen mussten, über das erste Löschfahrzeug – einen gebrauchten Magirus im Jahr 1955 – bis hin zur Einweihung des Feuerwehrgerätehauses im Jahr 2002. 1690 Arbeitsstunden hätten die Kameraden beigetragen, dazu noch 10 000 D-Mark Eigenkapital beschafft, erinnerte Frank Dörschmann. Der Wehrleiter wies in seiner Ansprache zudem darauf hin, dass die Feuerwehr ein kultureller Motor des Ortes sei: „Wir feiern nicht nur Feste, wir organisieren sie auch.“ Zu den Gratulanten, die anschließend ans Mikro traten, gehörte Frank Breitfeld. Der ist Leiter des Amtes für Brand- und Katstrophenschutz Nordsachsen. Breitfeld hob insbesondere die Familien der Kameraden heraus. Ohne deren Unterstützung und Rückhalt sei keine Feuerwehrarbeit möglich. Überdies bescheinigte er den Mockrehnaern, dass diese stolz auf die Entwicklung ihrer Wehr in den letzten Jahren sein können. „Auch über die Grenzen Mockrehnas hinaus ist ihre Hilfe immer wieder gefragt“, sagte er und spielte damit unter anderem auf den Einsatz der Wehr beim Brand einer Müllsortieranlage der Kreiswerke Delitzsch im vergangenen Jahr an.

Um sich unter anderem speziell für diesen Einsatz zu bedanken, wandte sich Peter Schwenckner vom Kreisfeuerwehrverband Delitzsch an die Gäste der Festsitzung. Sein Kollege vom Torgau-Oschatzer Verband, Klaus-Günter Terpe, hatte neben den Glückwünschen auch noch ein Kuvert dabei. Laut Satzung des Kreisfeuerwehrverbandes stehe einer Wehr zum 100-jährigen Jubiläum eine Zuwendung in Höhe von 500 Euro zu, kommentierte er die Übergabe des Umschlags an einen sichtlich erfreuten Frank Dörschmann. Der lauschte dann auch noch den Worten von Bürgermeister Peter Klepel, der das ehrenamtliche Wirken der Feuerwehrleute lobte. Gerade in einer Zeit, da vielen Menschen der Gemeinsinn fehle, seien die von den Kameraden gelebten Werte wie Solidarität oder Verantwortungsbewusstsein vorbildhaft.
Ein Lob das der Wehrleiter gerne entgegennahm und dafür versprach: „Solange unsere Feuerwehr besteht, werden wir alles uns Mögliche tun, um Hilfe zu leisten.“ Und das, so fügte Dörschmann ernst hinzu, ohne vorher zu fragen, ob es eine Gegenleistung gebe oder nicht.