9. November 2010 Kathrin Kabelitz; Frank Hörügel (Leipziger Volkszeitung)

"Das muss von unten kommen"

Kreisfeuerwehrverband: Basis soll Fusions-Signale setzen

Delitzsch/Oschatz/Torgau. In der Diskussion um die Zusammenführung der beiden Kreisfeuerwehrverbände (KFV) Delitzsch und Torgau/Oschatz hat sich Nordsachsens Landrat Michael Czupalla (CDU) klar positioniert. "Wir haben zwei Verbände, die hervorragend arbeiten", so Czupalla. Ein Zusammengehen müsse "von unten wachsen". Bevor dies an der Basis nicht passiert sei, würden die Kameraden der Freiwilligen Feuerwehren derartige Ziele auch nicht umsetzen wollen. "Wir werden das Ehrenamt nicht beschneiden, indem von uns etwas aufgedrückt wird." Das Sagen hätten die Vorstände und Vorsitzenden und kein anderer.
Hintergrund: Zur Ausschusssitzung des Kreisfeuerwehrverbandes Delitzsch vor 14 Tagen hatten die Ausschussmitglieder den Torgau-Oschatzern einen Fusions-Antrag gemacht (wir berichteten). "Wir müssen zusammenstehen und unsere Interessen gemeinsam vertreten, sonst passiert auch in Zukunft nichts", hatte Eilenburgs Feuerwehr-Chef Gunter Kneiß zu bedenken gegeben. Und der stellvertretende Kreisbrandmeister Karl-Heinz Charras sprach es dann klar aus: "Wir sind ein Kreis, da sollte es auch nur einen Feuerwehrverband geben." Die bereits an diesem Tag angesprochene Zurückhaltung der Torgau-Oschatzer sollte sich in den Tagen nach der Sitzung in den Wortmeldungen aus dem östlichen Teil des Landkreises widerspiegeln. Eine Blitzhochzeit der beiden Verbände wird es nicht geben, stellte kurz darauf der Torgau-Oschatzer KFV-Chef Frank Reichel klar. "Überrascht und befremdet", habe ihn der Vorstoß der Delitzscher, so Reichel. Seinem Verband gehe das viel zu schnell. Bei ihrer Delegiertenkonferenz im September hatten sich die Torgau-Oschatzer zwar für eine enge Zusammenarbeit der beiden Verbände ausgesprochen und auch eine Fusion nicht ausgeschlossen. "Dafür gibt es aber keine Zeitschiene. Das muss von unten - von unseren Mitgliedern - kommen", so Reichel. Er erinnert daran, dass auch die Fusion der Kreisfeuerwehrverbände Oschatz und Torgau nicht überhastet worden sei. Erst 2006 schlossen sich die Verbände zusammen.
Ein neuer Großverband für den gesamten Landkreis Nordsachsen würde etwa 6500 Mitglieder haben und aus 187 Feuerwehren bestehen. Reichel: "Allein mit ehrenamtlicher Arbeit wäre das nicht zu schaffen. Dann brauchen wir eine richtige Geschäftsstelle."