Nordsachsen (TZ). Wirtschaft und Verkehr sind seit jeher eng miteinander verzahnt. Deshalb sollen die Beteiligungen des Landkreises aus diesem Bereich auch gemeinsam betrachtet werden.
Ein langjähriger Patient taucht im 2009er Beteiligungsbericht Nordsachsens wohl letztmalig auf. Das Technologie- und Gründerzentrum (TGZ) machte am Ende des Jahres ein überschaubares Minus von 5150 Euro. Die Zuschüsse des Kreises sanken auf ein Allzeit-Tief von 5000 Euro, nachdem 2008 noch 40 000 und im Jahr zuvor 90 000 Euro geflossen waren. Inzwischen ist das TGZ mit dem landkreiseigenen Betrieb „Vermietung Mehrzweckhalle Landratsamt Delitzsch“ verschmolzen worden. Zu den Mietern im Objekt gehört unter anderem Avancis. Dem Vernehmen nach fühlt sich die Unternehmensspitze im Gebäude recht wohl. Vielleicht steigert das Unternehmen sein Engagement hier noch.
Kaum zu überhören ist das Engagement der Wirtschaftsförderungsgesellschaft Nordsachsen (WFG). Dafür sorgt nicht zuletzt Geschäftsführerin Uta Schladitz, die an der Spitze des 100-prozentigen Landkreissprosses immer dort auftaucht, wo Investoren angelockt und Betriebe umhegt werden können. Im Jahr 2009 trug sich die WFG mit ihren drei Mitarbeitern aus eigener Kraft, 2008 waren noch Zuschüsse über 15 000 Euro vom Kreis überwiesen worden. Überdies schloss die WFG das Berichtsjahr 2009 mit einem Überschuss von rund 3500 Euro ab.
Um ganz andere Größenordnungen geht es beim Mitteldeutschen Verkehrsverbund. An dem ist der Landkreis 2009 mit 3,54 Prozent beteiligt. Die 26 Mitarbeiter organisieren, konzipieren den Öffentlichen Personennahverkehr – ÖPNV – koordinieren die einzelnen Unternehmen, die ihn absichern und kümmern sich um das einheitliche MDV-Tarifsystem. Den Landkreis kostete diese Beteiligung im Berichtsjahr 2009 rund 575 000 Euro für Betriebskosten und sogenannte Durchtarifierungsverluste, die entstehen, weil mit einmal bezahlten Tickets verschiedene Verkehrsmittel benutzt werden können.
Beteiligt ist der Landkreis Nordsachsen auch am Flughafen Halle/Leipzig. Wenn auch nur mit 0,25 Prozent. Im Jahr 2009 hatte das zur Konsequenz, dass sich der Landkreis mit rund 26 300 Euro an der Kapitalrücklage für den Bau der Start- und Landebahn Süd beteiligte. Die Flughafenbeteiligung des Landkreises hat, auch wegen der aufzubringenden Zahlungen, bereits früher zu Diskussionen im Kreistag geführt, ob das Engagement Sinn mache. Hier argumentierte das Landratsamt zuletzt, dass die Teilhaberschaft dazu diene, Vertreter des Landkreises in den Aufsichtsgremien des Luftdrehkreuzes zu halten. Dies sei wichtig für die Bewohner der flughafenangrenzenden Teile Nordsachsens.
Zu 100 Prozent gehört dem Landkreis ein Unternehmen, dass seinen Geschäftserfolg zu ebener Erde sucht: die Omnibus-Verkehrsgesellschaft „Heideland“, kurz OVH. 73 Menschen beschäftigte das Unternehmen 2009, die Gesamtlinienlänge betrug zu diesem Zeitpunkt 630 Kilometer. Allein 595 Kilometer werden davon im Überlandverkehr bestritten, was die OVH zu einem wichtigen Infrastrukturmerkmal des Altkreises Torgau-Oschatz macht. Nimmt man die 35 Kilometer Stadtverkehr in den Städten Torgau und Oschatz dazu, deckt OVH 80 Prozent des öffentlichen Linienverkehrs in der Region ab.
Die Firma mit Sitz in Oschatz war 2009 selbst zu 20 Prozent an einer GbR beteiligt, in der sich verschiedene Verkehrsunternehmen des Altkreise zusammengeschlossen haben, um gemeinsam eine Beteiligung am MDV zu bestreiten.
Die Zuschüsse des Landkreises betrugen im Jahr 2009 rund 611 000 Euro. Das Unternehmen investierte zudem selbst 999 000 Euro, schaffte drei Busse, Werkstattausrüstungen und Sicherungssoftware an. Der Jahresfehlbetrag der OVH lag laut Beteiligungsbericht 2009 bei rund 88 000 Euro. Wie es im Lagebericht der Geschäftsleitung heißt, mussten Umsatzrückgänge bei der Schülerbeförderung ebenso verkraftet werden wie Verschiebungen bei der Einnahmenaufteilung innerhalb des MDV. Hier legte die OVH-Geschäftsführung Widerspruch ein. Sinkende Umsätze musste das Unternehmen auch bei der Nutzung der betrieblichen Tankstellen durch Dritte hinnehmen.