4. Dezember 2010 Frank Pfütze (Leipziger Volkszeitung)

"Der Wolf ist da"

Jäger diskutieren über aktuelle Probleme

Kreisgebiet. Wildschäden, Reitwege, Unfallwildberäumung, Windsurfen auf verschneiten Flächen, Jagdhunde, Wölfe - Einmal im Jahr treffen sich die drei Kreisjagdverbände (Delitzsch, Torgau und Oschatz), die Vertreter der Forstbehörden (Bund, Land, Kreis) sowie der Landwirtschaft zum Gedankenaustausch, und um über aktuelle Probleme zu diskutieren. Am Donnerstagabend war das Delitzscher Bürgerhaus der Treffpunkt.
Für spannende Gespräche sorgte der Wolf, der inzwischen in Nordsachsen angekommen zu sein scheint. "Der Wolf ist da", behauptete jedenfalls Frieder Voigt, Chef der Unteren Forstbehörde und fand Bestätigung in der Runde. In der Dahlener Heide sei ein solches Raubtier gesichtet worden. Das war auch für Gastgeber Michael Czupalla (CDU) neu, der sofort Reaktionen ankündigte. "Wir müssen umfangreich informieren und aufklären und offensiv mit diesem sensiblen Thema umgehen", so der Landrat. Zweifellos eine Gradwanderung zwischen Panikmache und seriöser Aufklärung. Giso Damer, Sachgebietsleiter im Umweltamt des Landratsamtes, sehe noch keine Veranlassung zu reagieren: "Das ist gegen das Gesetz", sagte er und schlug vor, abzuwarten, bis Nordsachsen vermutlich Anfang 2011 zum Präventionsgebiet erklärt wird. Das ist eine Art Fördergebiet für Regionen, in denen der Wolf angesiedelt ist. Der Freistaat finanziere dann Präventionsmaßnahmen. Czupalla will nicht so lange warten: "Nein, das machen wir anders! Wir werden uns schnell finden, um Betroffene und die Bevölkerung zu informieren, jetzt, wo wir wissen, dass der Wolf da ist." Der Landrat sprach von persönlichen Erfahrungen aus der Lausitz, wo der Wolf beheimatet ist und für reichlich Wirbel sorgt. "Die kriegen dort keine Ruhe rein. Die Menschen sind verunsichert und haben Angst, ihre Kinder zur Bushaltestelle laufen zu lassen. Das lässt sich nur mit einem offensiven Umgang regeln. Ich brauche hier keine Wölfe in Nordsachsen", so der Landrat. Vor einem Jahr, als das Thema aufkam, hat der Landkreis das Wolfsmanagement angeschoben, in großer Runde mit Jägern und Landwirten. Bei diesem Erfahrungsaustausch wurde festgelegt, weitere Schritte einzuleiten, wenn der Wolf da ist.
Zu Beginn der Veranstaltung bedankte sich Czupalla für die Hilfe und Unterstützung der Jäger bei der Wildunfallberäumung: "Ich bin mehr als dankbar. Bitte unterstützen sie uns weiter so." Die Jäger erledigen diese Aufgabe freiwillig. Angelika Freifrau von Fritsch, die Chefin des Delitzscher Jagdverbandes, sprach mit dem illegalen Nutzen von Reitwegen und dem Windsurfen auf verschneiten Flächen zwei Probleme der Jäger an. Dass die Jagdhunde als "Hobby-Hunde" definiert sind, für die Steuern bezahlt werden müssen, war ein weiteres, das dem Kreis-Chef mit auf den Weg gegeben wurde.