11. November 2010 Julia Heide (Torgauer Zeitung)

"Die Dinge bewegen sich in die richtige Richtung"

Torgau/Oschatz (TZ/jh). Der ehemalige Chef der Oschatzer Agentur für Arbeit Thomas Iser ist am 1. November in seine hessische Heimat zurückgekehrt und wird künftig dort als Agenturleiter in Offenbach bei Frankfurt/Main agieren. Im Herbst 2009 hat er seine Amtszeit als Agenturleiter in Oschatz angetreten und gab jeden Monat die aktuellen Arbeitsmarktstatistiken sowohl für den Agenturbezirk als auch für die Region Torgau/Oschatz bekannt. Die TZ sprach mit ihm rückblickend darüber, aber auch über die Problematik ARGE oder Option.

TZ: Herr Iser, jetzt sind Sie zurück in Ihrer Heimat. Vermissen Sie bereits die Agentur in Oschatz?
T. Iser:
Ja, das tue ich tatsächlich, denn die zwölf Monate in Oschatz waren aufgrund der gewonnenen Erfahrungen und Eindrücke, aber auch wegen der vielen positiven zwischenmenschlichen Begegnungen eine sehr wertvolle Zeit für mich. Aber jetzt gilt es, den Blick wieder nach vorne zu richten.

An was denken Sie gerne zurück?
Wie vorbehaltlos und herzlich ich damals aufgenommen wurde und auch an die Offenheit der Sachsen.

Und was hat Sie am meisten bewegt in Ihrer Zeit als Agenturchef in Oschatz?
Vor allem die Diskussionen um die Zukunft der ARGE. Ich wäre sehr enttäuscht, wenn sich der Kreistag im Dezember für eine Option entscheiden würde. Ich weiß, dass die Kreistagsmitglieder hier keine leichte Aufgabe haben und es auch nicht leicht ist, aus den Pro- und Contra-Argumenten tatsächlich die langfristigen Folgen einer Option für die betroffenen Menschen, Arbeitgeber und die Kommunen zu erkennen. Wenn ich nur ein Jahr hier war, sind mir der Agentur-Bezirk und die Menschen in diesem Bezirk ans Herz gewachsen und ich möchte die beste Lösung für die betroffenen Menschen und die Arbeitgeber. Es hilft den Betroffenen überhaupt nicht, wenn hier kostenintensive Parallelstrukturen aufgebaut werden müssten. Dafür fehlt überdies auch die Zeit. Niemand hat Verständnis, wenn sich eine neue Behörde monate- oder jahrelang zunächst mit sich selbst befassen muss, statt mit aller Kraft ihrem Auftrag, Menschen zu unterstützen, nachzukommen.

Werden Sie aus der Ferne dies dann weiter beobachten?
Ja, das mache ich auf jeden Fall und ich lasse mich auch weiterhin über die aktuellen Entwicklungen der Region informieren. Auch mit der neuen Agenturchefin Marlies Hoffmann-Ulrich habe ich regelmäßig Kontakt. Sie ist mit dem sächsischen Arbeitsmarkt bestens vertraut, da sie zuletzt Agenturleiterin in Pirna war, der Agentur, die übrigens die niedrigste Arbeitslosenquote in
Sachsen hat.

Als ehemaliger Agenturleiter in Oschatz haben Sie während Ihrer Zeit aber auch vorwiegend positive Zahlen bei der monatlichen Arbeitsmarkteinschätzung der Region verkünden dürfen. Welches Fazit ziehen Sie persönlich daraus?
Die Dinge bewegen sich in die richtige Richtung, aber die Akteure am regionalen Arbeitsmarkt müssen weiter am Ball bleiben. Zu den größten Einflussfaktoren des regionalen Arbeitsmarktes gehört neben der wirtschaftlichen vor allem die demografische Entwicklung. Die Jugendarbeitslosigkeit ist aufgrund dessen und der verbesserten Marktbedingungen innerhalb eines Jahres um etwa ein Viertel zurückgegangen. Tatsache ist, die Chancen Jugendlicher sind dadurch besser denn je. Dies wird sich aus meiner Sicht in den nächsten Jahren auch weiter verbessern. Sorge bereitet mir jedoch der zunehmende Altersdurchschnitt der Beschäftigten. In den letzten zehn Jahren ist der Durchschnittsarbeitnehmer statistisch drei Jahre älter geworden. Allerdings hat der Arbeitsmarkt entsprechend bereits begonnen, wieder stärker auf den Erfahrungsschatz der älteren Menschen zu setzen. Das sehe ich durchaus als positive Entwicklung an und da sehe ich auch weiteres Potenzial.

Und was denken Sie über den Fachkräftemangel?
Durch die derzeitige Situation wird in einzelnen Bereichen der Fachkräftemangel sicherlich zunehmen. Hier muss man aus meiner Sicht auch die Rahmenbedingungen auf dem Arbeitsmarkt, wie beispielsweise das Lohngefüge, anpassen.

Zum Schluss: Welches Ziel hatten Sie zu Beginn, als Sie den Posten des Agenturchefs in Oschatz vor einem Jahr angetreten haben?
Die gute Arbeit und die guten Ergebnisse der Agentur auf einem hohen Niveau zu halten.  Ich denke, dies ist mir gelungen. Ein zweites Ziel, die Fortsetzung der guten und erfolgreichen Zusammenarbeit zwischen Agentur und Landkreis, wird hoffentlich auch noch gelingen. Aber da wird die Unterstützung der Kreisräte noch vonnöten sein.