6. September 2011 Uwe Gutzeit (Torgauer Zeitung)

"Die Jäger sehen den Wolf am ehesten"

Nordsachsen (TZ). Bis vor Kurzem lag weder den Jagdverbänden noch dem Landratsamt ein Entwurf zur geplanten Novellierung des Jagdgesetzes vor. Heftig diskutiert wurde allerdings schon seit Monaten, ob der Wolf ins Jagdgesetz aufgenommen werden sollte oder nicht. Das sächsische Kabinett hat nun den Entwurf für das neue Landesjagdgesetz zur Anhörung freigegeben. Damit können jetzt Jagd-, Naturschutz-, Umwelt- und Berufsverbände sowie die kommunalen Spitzenverbände Stellung zu den geplanten Neuregelungen nehmen. Voraussichtlich im zweiten Quartal 2012 soll das Gesetz in Kraft treten. Nunmehr heißt es, dass für den Wolf separate gesetzliche Regelungen geschaffen werden sollen. Darüber entspannt sich derzeit erneut die Diskussion.

Sachsens Umweltminister Frank Kupfer hält an der Aufnahme des Wolfs in das sächsische Jagdrecht fest. Er betonte aber, die Tiere dürften auch künftig nicht abgeschossen werden – selbst wenn das im neuen Jagdgesetz nicht festgeschrieben sei. Der Wolfsschutz werde in einer Verordnung zum neuen Gesetz verankert. Damit seien alle rund 10 000 Jäger in Sachsen dazu verpflichtet, sich für das Raubtier zu engagieren. Bislang kümmerten sich mit den Experten in der Lausitz und einzelnen Fachleuten in den Landkreisen nur wenige Menschen um die Wölfe, sagte Kupfer. Über kurz oder lang würden sich die Tiere über ganz Sachsen ausbreiten. Mit dem Jagdrecht gebe es dann einen idealen Schutz für Mensch und Tier, zeigte sich der Umweltminister überzeugt.

Förster Jan Glock, Leiter des Forstbezirkes Taura, ist Jäger und Naturschützer in einem. Er ist der Auffassung, dass der Zeitpunkt der Novellierung des Jagdgesetzes, erstmals nach 20 Jahren in Sachsen, eine gute Gelegenheit sei, den Wolf in das Jagdgesetz aufzunehmen. Allein schon wegen des notwendigen Monitorings. „Die Jäger sehen den Wolf am ehesten“, so Glock. Mit der Aufnahme des Wolfes wäre die aktive Mitwirkung der Jäger am Wolfsmanagement gesetzlich fixiert. Das könne nur von Vorteil sein, denn in der Tat ist der Wolf unter den streng geschützten Raubtierarten, zu denen in Mitteleuropa unter anderem auch der Bär und der Luchs gehören, das Tier, welches sich am schnellsten ausbreitet. Eine Verteilung der Aufgaben im Rahmen des bundesweit einzigartigen sächsischen Managementplanes Wolf sei deshalb sinnvoll.

Sachsen ist das erste deutsche Bundesland, das derartige Regelungen treffen muss, da sich hier erstmals reproduzierende  Wolfsrudel fest angesiedelt haben. „Im ersten Paragraf des Sächsischen Jagdgesetzes ist der Hegebegriff klar definiert. Die Jäger wirken jetzt schon hegend und in ihren Revieren vor Ort in Lebensräumen streng geschützter Arten, wie Fischotter, Rebhuhn und Seeadler. So wird es auch mit dem Wolf werden“, meint der Forstbezirksleiter. Das Monitoring im Rahmen des Wolfsmanagements wäre dann Aufgabe aller Jäger.
Allein im Verwaltungsjagdbezirk des Forstbezirkes Taura sind 150 Jäger auf einer Waldfläche von 13 000 Hektar tätig. Hinzu kommen jährlich etwa 800 Jagdgäste aus allen Teilen Deutschlands, vor allem zu den Gesellschaftsjagden. Hier wäre die Wahrscheinlichkeit am größten, den Wolf zu Gesicht zu bekommen.

Jan Glock rechnet fest damit, dass sich auch im Forstbezirk Taura irgendwann eine Wolfspopulation entwickelt, da hier genügend Nahrung und auch genügend große und ruhige Waldflächen vorhanden sind. Bedenken, dass der Wolf überdimensional in den Wildbestand eingreifen könnte, teilt der Forstmann nicht. „Der Wolf greift ein, wo einfach Beute zu machen ist. Das sind vor allem alte, kranke und natürlich auch junge Tiere. So gesehen könnte der Wolf einen Beitrag zur Gesundung der Wildbestände leisten, ohne dass man fürchten müsste, dass die Jäger arbeitslos werden.“

Zu Extremmeinungen aus dem hauptamtlichen Bereich der Naturschutzverbände, die häufig unterstellten, dass die Jäger ja nur darauf warten würden, den Wolf vor die Flinte zu bekommen, betont Forstbezirksleiter Glock: „Bis zum fertig ausgebildeten Jäger ist es ein strenger und nicht einfacher Weg. Es ist eine Jägerprüfung, ein sogenanntes grünes Abitur abzulegen. Die Jäger nehmen danach mit der Aufgabe, wild lebende Tierbestände zu regulieren, eine herausgehobene Stellung wahr. In diesem Sinne sind sie privilegiert. Das setzt kein Jäger wirklich aufs Spiel. Wird der Wolf in das Jagdgesetz aufgenommen, wird es entsprechende Schulungen, Hinweise und Aufgaben an die Jäger geben. Ich sehe das problemlos.“