Delitzsch. Geht es nach dem Sächsischen Innenministerium, sind die Tage der Rettungsleitstelle Delitzsch gezählt. Das Ministerium teilt mit, dass es die geänderte sogenannte Landesrettungsdienstplanverordnung einführt. Setzt sich der Landkreis Nordsachsen durch, bleibt die Leitstelle in Delitzsch.
Fünf Großleitstellen sollen künftig die Einsätze von Feuerwehr und Rettungskräften koordinieren. Das Ministerium hat sich für die Standorte Hoyerswerda, Dresden, Chemnitz, Zwickau und Leipzig entschieden. Die Abwicklung der Leitstelle in Delitzsch ist damit eigentlich besiegelt. Nicht für Nordsachsen. "Die Rettungsleitstelle bleibt hier. Es gibt keine Veranlassung, in Leipzig zu investieren, wenn hier eine funktionierende Einheit besteht", wiederholte Nordsachsens Landrat Michael Czupalla (CDU) auf Anfrage sein Bestreben, am Standort Delitzsch festzuhalten.
Dezernentin Angelika Stoye ergänzte: "Wenn wir den Standort Delitzsch schließen, würden uns Abschreibungen in Höhe von jährlich 100000 Euro belasten, die wir nicht refinanziert bekämen." In Leipzig wurden bereits vor zwei Jahren acht Millionen Euro für den nötigen Neubau einer Regionalleitstelle kalkuliert. Der Landkreis Nordsachsen müsste bei günstigen Förderbedingungen 250000 Euro einbringen. Die jährlichen Betriebskosten würden zudem 300000 Euro betragen, jetzt sind es 200000 Euro. Die Landesrettungsdienstplanverordnung ist im Gespräch, soll noch diesen Monat verabschiedet werden. Dazu Stoye: "Für uns bestünde aber auch dann noch keine Notwendigkeit, dass wir uns dem Standort Leipzig anschließen. Wir haben inzwischen sogar eine Pflichtvereinbarung erhalten, die wir unterzeichnen sollen. Auch das werden wir nicht tun." Bis 21. Januar habe die Landkreisverwaltung Zeit, sich zu positionieren. Ebenso der Landkreis Leipzig, der mit Nordsachsen und der Stadt Leipzig in die Regionalleitstelle ziehen soll. Vertreter beider Landkreise trafen sich gestern zu Gesprächen. Stoye gehe davon aus, dass auch das Leipziger Land die Pflichtvereinbarung nicht unterzeichnet und an seinem Standort festhält. Nordsachsen werde die Angelegenheit als nächsten Schritt in den Ältestenrat und die Ausschüsse des Kreistages einbringen, um das weitere Vorgehen abzustimmen.
In den vergangenen Jahren flossen sieben Millionen Euro in die Einrichtung in Delitzsch, die heute über einen modernen Standard verfügt. Den Fördermittelantrag für die Umrüstung auf Digitalfunk hat die Landesdirektion im Dezember abgelehnt. Und auch die weitere Förderung des Standortes Delitzsch stehe in Frage.