Nordsachsen (TZ). Mit einem Nachfolgeprogramm will die Bundesregierung den Weiterbetrieb der Mehrgenerationenhäuser auch über den Förderzeitraum von fünf Jahren sicherstellen. Die Kommunen sollen sich allerdings an der Finanzierung der Einrichtungen beteiligen. Beim Ostelbienverein, dem Träger des Arzberger Mehrgenerationenhauses (OMA), betrachtet man die Ankündigung eher zwiespältig. Die Torgauer Zeitung kam darüber mit Holger Reinboth ins Gespräch.
TZ: Eine schönere Meldung als jene, dass es eine Zukunft für die Mehrgenerationenhäuser geben soll, konnte es doch im zu Ende gegangenen Jahr 2010 nicht geben, oder?
Holger Reinboth: Sicher, die Meldung klingt erst einmal gut. Was aber leider fehlt, sind Inhalte.
Inhalte? Bundesfamilienministerin Dr. Kristina Schröder hat unter anderem angekündigt, dass neben den Themen „Haushaltsnahe Dienstleistungen“ und „Freiwilliges Engagement“ künftig auch „Alter und Pflege“ sowie „Integration und Bildung“ das Profil der Mehrgenerationenhäuser schärfen sollen.
Gerade „Alter und Pflege“ scheint derzeit ein Steckenpferd der Ministerin zu sein. Leider passt dies rein gar nicht zu unserer relativ kleinen Einrichtung in Arzberg.
Warum nicht?
Abgesehen von unseren kleinen Räumlichkeiten haben wir mit unserer Ausrichtung auf das ehrenamtliche Engagement überhaupt kein Personal dafür zur Verfügung. Wir können einfach keine Demenzkranken betreuen oder Hilfsbedürftige pflegen. Das gibt unsere Trägerstruktur einfach nicht her. Eine solche Pflege und Betreuung kann nur in Einrichtungen funktionieren, die an betreuungserfahrene Verbände angegliedert sind.
Muss man die Ausrichtung eben neu ausrichten ...
Dadurch würden wir unsere bisherigen guten Angebote aber komplett vernachlässigen.Wir wollen und können keine Konkurrenz zu den ansässigen Pflegediensten sein.
Gab es denn bereits Gespräche mit der Arzberger Verwaltung über eine vom Bund geforderte Anteilsfinanzierung der Einrichtung?
Die hat es noch nicht gegeben. Allerdings würde es dieser wohl auch nicht bedürfen, weil dies die finanziellen Möglichkeiten Arzbergs bei Weitem überstiege. Wir können Arzberg keine Mehrkosten zumuten. Außerdem müssen die Expertengespräche auf Bundes- und Länderebene erst noch geführt werden.
Was hat sich das OMA für 2011 vorgenommen?
Wir wollen mit unserem eingespielten Team aus Mitarbeitern und Ehrenamtlichen die geschaffenen 32 Angebote weiter für unsere Nutzer präsentieren. Darunter sind Angebote wie Krabbelgruppe, Seniorenbetreuung und Blutspende. Ebenso fest eingeplant sind die Absicherung von schulischen Arbeitsgemeinschaften und die Ferienbetreuung.