Mügeln/Kreisgebiet (red/HG). Der Döllnitzbahn könnte jetzt der Konkurs drohen, denn das Unternehmen muss mit erheblichen Kürzungen finanzieller Mittel durch den Zweckverband Nahverkehrsraum Leipzig (ZVNL) rechnen. Nordsachsens Landrat Michael Czupalla (CDU) rief deshalb am Montag zur Krisensitzung. Während der gestrigen Verbandsversammlung des ZVNL wurde vereinbart, die Finanzierung der Döllnitzbahn gesondert zu diskutieren.
Der am 17. Dezember im Sächsischen Landtag zu beschließende Doppelhaushalt 2011/12 des Freistaates Sachsen sieht für den ZVNL jährlich knapp zehn Millionen Euro weniger als bisher vor. Das würde auch für die Döllnitzbahn in Mügeln erhebliche Mittelkürzungen bedeuten. Diese würden nach Angaben des Landratsamtes Nordsachsen "unweigerlich den sofortigen Konkurs der Döllnitzbahn nach sich ziehen". Aus diesem Grund berief Landrat Michael Czupalla am Montag auf Schloss Hartenfels ein Krisentreffen mit Bürgermeistern der angrenzenden Städte und Gemeinden ein.
Alle Anwesenden seien sich einig gewesen, dass die Döllnitzbahn erhalten bleiben müsse "und eine solche Kürzungsmaßnahme in den laufenden Betriebsmitteln auf keinen Fall hinnehmbar ist", sagte Rayk Bergner, Sprecher der Kreisbehörde. "Die Schmalspurbahnen", so Volkmar Winkler, Bürgermeister der Gemeinde Sornzig-Ablaß, "wurden bisher immer gesondert betrachtet und nun sollen diese gleichgestellt mit dem normalen Schienenpersonennahverkehr behandelt werden. Das kann gar nicht gehen, da die Rahmenbedingungen und Ziele, die mit einer solchen Schmalspurbahn erreicht werden sollen, völlig andere sind. Nicht zuletzt deshalb werden diese selbst im Koalitionsvertrag explizit und gesondert erwähnt". Müsste die Döllnitzbahn Konkurs anmelden, sei auch "das letzte Alleinstellungsmerkmal unserer Region weg", so Volkmar Winkler weiter.
Noch während der Sitzung habe Landrat Czupalla seinen Kollegen Gerhard Gey in Borna, Vorsitzender der Verbandsversammlung des ZVNL, kontaktiert, um ihm zu verdeutlichen, welche Auswirkungen ein Beschluss zur Kürzung der Mittel für den Betrieb der Döllnitzbahn hätte. Er will sich dafür einsetzen, dass hierzu noch keine Entscheidung getroffen werde. Darüber hinaus sei es unverständlich, dies brachten neben Landrat Czupalla weitere Beteiligte zum Ausdruck, dass die Regionalisierungsmittel des Bundes, die vollumfänglich für die Organisation des Nahverkehrs an den Freistaat ausgezahlt wurden, nunmehr erheblich gekürzt an die Zweckverbände weitergegeben werden. "Ich möchte eine Antwort vom Freistaat haben, warum die Regionalisierungsmittel einbehalten werden. Die Vermutung liegt nahe, dass damit die erheblich gestiegenen Kosten für den Leipziger Citytunnel, die der Freistaat mit zu tragen hat, beglichen werden sollen", so Czupalla.
Die Runde verständigte sich darauf, nochmals mit Nachdruck auf die Staatsregierung zuzugehen und sich an Staatsminister Sven Morlock (FDP), zuständig für Wirtschaft und Verkehr im Freistaat, zu wenden.
Die Döllnitzbahn GmbH betreibt aktuell die Schmalspurbahnstrecke Oschatz-Mügeln-Nebitzschen-Glossen. In diesem Jahr verkehren wöchentlich drei Umläufe zwischen den Haltepunkten Oschatz und Altmügeln. An 50 weiteren Betriebstagen - überwiegend an Wochenenden, Feiertagen und im Rahmen von Sonderfahrten - sind Züge mit Dampfloks entlang der Strecke von Oschatz nach Glossen unterwegs.
Während der gestrigen Verbandsversammlung des ZVNL in Leipzig wurden erste Kürzungsabsichten für den öffentlichen Personennahverkehr vorgestellt. Die Teilnehmer verständigten sich außerdem darüber, die zukünftige Finanzierung der Döllnitzbahn in einer gesonderten Sitzung zu diskutieren.