1. August 2011 Leipziger Volkszeitung

Döllnitzbahn - Kretschmar verteidigt Zuschüsse

In die Debatte um Zuschüsse des Zweckverbandes Nahverkehrsraum Leipzig (ZVNL) für die Döllnitzbahn hat sich der Oschatzer Oberbürgermeister Andreas Kretschmar eingeschaltet. Er wisse nicht genau, wie viele Einwohner Grünau habe, sagte Kretschmar in Anspielung auf Proteste der Grünauer SPD. Die Sozialdemokraten hatten sich gegen die Zuschüsse für die Oschatzer Döllnitzbahn ausgesprochen und kritisiert, dass kein Geld für die S-Bahn-Linie 1 in Grünau vorhanden sei. Der Oberbürgermeister verwies darauf, dass für die Döllnitzbahn 28000 Leute unterschrieben hätten, also 3000 Menschen mehr als im Einzugsgebiet wohnten. "Das Interessante dabei ist, dass ein nicht unerheblicher Anteil, mindestens zehn Prozent, davon Leipziger sind." Für die S-Bahn-Linie 1 hätten sich viel weniger Menschen an der Unterschriftenaktion beteiligt. Zudem gebe es für Grünau auch eine Busverbindung.
Kretschmar sagte, er sei "entsetzt über die herablassende Haltung und das fehlende regionale Denken" mancher Leipziger. Das Stadtoberhaupt verwies darauf, dass etwa ein Bäckermeister aus Oschatz-Mügeln für das Leipziger Völkerschlachtdenkmal ("im Prinzip wie die Döllnitzbahn ein historischer Schatz, der erhalten und bewahrt gehört") ein Völkerbrot backe und verkaufe und einen Teil des Erlöses (bisher rund 100000 Euro) für den Erhalt des Denkmals spende. Kretschmar: "Wie können da einige Leute so über unsere Döllnitzbahn sprechen, die im Linienverkehr unterwegs ist, die Kinder in die Schule fährt und seit mehr als 150 Jahren durch unsere Gegend schnauft, Kaiser, Nazis und den Sozialismus überstanden hat. Nun droht sie die fehlende Solidarität und das eigennützige Denken der Leipziger SPD zu bremsen."
Die Gelder, die vom Freistaat über den Zweckverband in die w fließen, sind "kein Almosen der Leipziger an Oschatz oder Mügeln, sondern Zuweisungen für die Schmalspurbahn als touristisch wertvolles Kulturgut der Gesamtregion", verteidigte Kretschmar den Zuschuss. Er sagte, die Stadt Leipzig und ihre Bürger würden die Verlierer in Sachsen sein, "wenn sie immer nur denken so weit der Schatten ihrer Nikolaikirche reicht".
Wie berichtet, haben die Landkreise Leipzig und Nordsachsen kürzlich für die Weiterfinanzierung der Bahn gestimmt - die Stadt Leipzig enthielt sich der Abstimmung, hätte aber die beiden Kreise auch nicht überstimmen können. In diesem Jahr werden noch 75000 Euro vom Zweckverband nach Oschatz fließen, 2012 weitere 100000 Euro. Weitere Gelder soll unter anderem das sächsische Wirtschaftsministerium beisteuern. Ziel ist, die Bahn im Januar 2013 komplett vom ZVNL-Finanztropf abzunabeln. mi