19. April 2011 Heinz Großnick; Christian Kunze (Leipziger Volkszeitung)

Döllnitzbahn noch nicht auf der sicheren Seite

Mügeln. Sachsens Wirtschaftsminister Sven Morlok (FDP) kündigte Hilfe für die Döllnitzbahn an und zieht eine Zwischenfinanzierung in Betracht, da der Zweckverband Nahverkehrsraum Leipzig (ZVNL) der Bahn den Geldhahn zudreht. Zum Hilfsangebot gibt es Erleichterung, aber zugleich auch Skepsis, ob den Worten wirklich Taten folgen.
"Aus meiner Sicht ist es eine Absichtserklärung. Ich kann bisher nicht erkennen, dass wir ab 8. Juli weitermachen können", sagte Lutz Haschke, Geschäftsführer der Döllnitzbahn GmbH. Es sei auf jeden Fall ein Schritt in die richtige Richtung. Dazu hätte es aus seiner Sicht allerdings bereits kommen müssen, bevor der ZVNL den Schülerverkehr abbestellte. Froh ist Haschke allerdings darüber, dass beim Wirtschaftsminister "ein gedanklicher Wandlungsprozess" einsetzte.
Beim ersten Spatenstich zur Ortsumgehung Mügeln Mitte März sei von Morlok keine Hilfe signalisiert worden. Dennoch sieht Haschke noch eine "sehr ernsthafte Gefahr" bezüglich der Erhaltung des in den letzten Jahren Geschaffenen. An eine Lösung glaubt er nur, wenn sowohl der Schülerverkehr als auch der touristische Freizeitverkehr dauerhaft eine Zukunft habe, denn immerhin seien die Hälfte der Fahrgäste Schüler. Haschke verdeutlicht dazu: "Allein als touristischer Betrieb kann die Döllnitzbahn den Anforderungen nicht gerecht werden."
Von Seiten des Vereins zur Förderung Sächsischer Schmalspurbahnen wird die Ankündigung der Staatsregierung, eine dauerhafte Lösung zur Finanzierung der Schmalspurbahnen herbeiführen zu wollen, begrüßt. "Die Herauslösung aus den Zweckverbänden und zukünftig direkte Finanzierung schafft Transparenz und sichert, dass die vom Steuerzahler bereitgestellten Mittel den Schmalspurbahnen auch in vollem Umfang zugutekommen", sagte der Vorsitzende des VSSB, Andreas Winkler, und fügte hinzu: "Bei gutem Willen aller Partner und der breiten Zustimmung zu den Schmalspurbahnen im Sächsischen Landtag ist ein ordentliches Ergebnis in greifbarer Nähe. Wir unterstützen diesen Prozess ohne Wenn und Aber."
Axel Finke aus Seelitz brachte eine Petition zum Erhalt der Döllnitzbahn auf den Weg. Der Vorsitzende des FDP-Ortsverbandes Mügeln-Oschatz zeigt sich erfreut darüber, dass Morlok auf die Forderungen der FDP-Basis eingegangen ist. "Die Herauslösung aus den Zweckverbänden ist das einzig Richtige", so Finke. Dafür, dass die Mittel für Schmalspurbahnen im Doppelhaushalt 2013/2014 separat ausgewiesen werden, will er sich weiter stark machen. "Einen entsprechenden Antrag formulieren wir auf unserem Landesparteitag am Wochenende", stellt Finke in Aussicht. Die Abgabe der gesammelten Unterschriften an den Petitionsausschuss des Landtages strebt Finke noch bis Ende April an, um zusätzlich auf die Bedeutung der Bahn hinzuweisen. Das Entgegenkommen aus Dresden wertet er als Appell an die Betreiber der sächsischen Schmalspurbahnen. "Unter ihnen ist die Döllnitzbahn die kleinste. Um so wichtiger ist es, dass sie sich mit den anderen Eigentümern an einen Tisch setzt und Möglichkeiten der Kooperation diskutiert." Das Hilfsangebot aus Dresden sei kein Allheilmittel dafür, dass die Bahn weiterfährt.
Rico Winterlich vom CDU-Gemeindeverband Mügeln/Sornzig-Ablaß hatte sich Anfang März schriftlich an Wirtschaftsminister Morlok gewandt. Auch er begrüßt das Ansinnen des Ministers. "Nichts anderes steht im Koalitionsvertrag und nichts anderes forderten wir", gibt er sich zufrieden. In punkto touristische Vermarktung sieht er nun verstärkt den Förderverein und die Betreibergesellschaft in der Pflicht. "Es müssen konkrete Zahlen auf den Tisch, angefangen bei den Fahrgästen", so Winterlich. Auf dieser Basis müsse weiter am touristischen Potenzial der Döllnitzbahn gefeilt werden.