17. Juni 2011 Frank Hörügel (Leipziger Volkszeitung)

Döllnitzbahn vorerst gerettet

Beteiligte einigen sich auf Finanzierung bis Ende 2012 / Danach sächsische Lösung angepeilt

Oschatz/Mügeln. Der Kampf für den Erhalt der existenzbedrohten Döllnitzbahn hat sich gelohnt. Gestern gab Sachsens Wirtschaftsminister Sven Morlok (FDP) bekannt, dass der Betrieb der Schmalspurbahn vorerst bis Ende nächsten Jahres zunächst einmal gesichert ist.
Als der zuständige Zweckverband Nahverkehrsraum Leipzig (ZVNL) am 16. Februar den Geldhahn für die Döllnitzbahn zudrehte, schien das Ende des Oldtimers besiegelt zu sein. Ab Juli sollte kein Cent mehr in den Streckenbetrieb zwischen Oschatz und Mügeln fließen. Wochentäglicher Betrieb, Schülerbeförderung und Dampfzugfahrten am Wochenende standen damit auf der Kippe. Eine Aussicht, mit der sich 26 000 Menschen aus der Region Oschatz, aus ganz Deutschland und dem Ausland nicht abfinden wollten. Sie alle unterschrieben für den Erhalt des technischen Denkmals. Am 4. Mai konnte Döllnitzbahn-Geschäftsführer Lutz Haschke dem Staatssekretär Roland Werner im Wirtschaftsministerium die Unterschriftenliste überreichen und setzte damit Wirtschaftsminister Morlok unter Druck.
Seitdem wird an einer Lösung für den Erhalt der Bahn gearbeitet, die am Mittwoch gefunden wurde. "In einem Spitzengespräch", so das Wirtschaftsministerium, hätten alle Beteiligten dem Vorschlag zugestimmt. Wirtschaftsministerium, Kreis Nordsachsen, die Mitgliedskommunen des Zweckverbandes Döllnitzbahn, der ZVNL sowie die Döllnitzbahngesellschaft selbst wollten einen finanziellen Beitrag leisten.
"Ich freue mich, dass es allen Beteiligten gelungen ist, in einer schwierigen Sondersituation einen tragfähigen Kompromiss für diesen Einzelfall zu finden. Nun haben wir Zeit, die Döllnitzbahn ab 2013 in ein Konzept zur Neuregelung der Finanzierung der Schmalspurbahnen einzubinden", sagte Wirtschaftsminister Morlok anschließend. Ab 8. Juli bis zum Jahresende sollen 240 000 Euro und für das gesamte nächste Jahr knapp 500 000 Euro aufgebracht werden.
Als Vertreter des Zweckverbandes Döllnitzbahn war Volkmar Winkler an den Verhandlungen beteiligt. "Das war ein Kraftakt, wir haben oft im Wirtschaftsministerium gesessen", sagte er gestern auf Anfrage. Er wies zugleich darauf hin, dass noch nicht alle Gremien der Finanzierung zugestimmt hätten. Im ZVNL sowie in den Stadt- und Gemeinderäten müsse noch abgestimmt werden.
Erleichterung herrschte gestern auch bei den 13 Beschäftigten der Döllnitzbahn. "Mit dieser Lösung können wir leben", sagte Geschäftsführer Haschke.
Die Bahn muss im nächsten Jahr zehn Prozent ihrer Ausgaben im Vergleich zu bisher einsparen. Am Fahrbetrieb sollen laut Haschke keine Abstriche gemacht werden. "Die Einsparungen werden deshalb zu Lasten der Infrastruktur gehen", so der Bahnchef. Für lädierte Bahnübergänge würde es zum Beispiel keine neuen Fahrbahnen, sondern nur Ausbesserungen geben.