21. März 2011 Kay Würkner (Leipziger Volkszeitung)

Doppik - Delitzsch codiert Stühle und bewertet Straßen

Delitzsch (K.W.). Das Thema Doppik ist auf den Rathausfluren in Delitzsch seit Längerem im Gespräch. Seit die Vorbereitungen auf das System der doppelten Buchführung laufen, hat sich das Personalkarussell gedreht und wird das gesamte Inventar prüfend unter die Lupe genommen.
In der Stadtverwaltung ist im Herbst eine Arbeitsgruppe Doppik gegründet worden. Sie ist Finanzverwaltungsamtsleiter Michael Schmiech unterstellt, setzt sich zusammen aus Mitarbeitern verschiedener Fachbereiche von Tiefbau über Liegenschaften bis Kämmerei. So soll zum Beispiel der frühere Leiter des Sachgebiets Tiefbau, Thomas Sens, zusammen mit einer Mitstreiterin die Bestandsaufnahme und Bewertung von Straßen, Grünflächen, Stadtmobiliar und Verkehrszeichen vornehmen und gleichzeitig ein sogenanntes Grafisches Informationssystem aufbauen. Parallel seien gerade Mitarbeiter des Schulverwaltungsamtes damit beschäftigt, allen Stühlen, Tischen und Wandtafeln in den Schulen Pin-Codes zu geben. Das gleiche Procedere folge in Tiergarten, Bibliothek und Museum. "Jedes bewegliche Objekt muss codiert werden. Außerdem wird es bewertet, damit es ins Gesamtvermögen der Stadt einfließen kann", erklärt Oberbürgermeister Manfred Wilde (parteilos).
Und fügt nicht ohne Stolz hinzu, dass Delitzsch für die Doppik-Vorbereitungen "kein zusätzliches Geld und kein zusätzliches Personal" benötige. "Wir haben stattdessen Angestellte der Verwaltung eingebunden, die ohnehin später mit den erfassten Daten weiterarbeiten und die Datensätze pflegen sollen." Delitzsch spare auf diese Weise im Vergleich zu anderen Städten dieser Größe rund 300000 Euro. "Außerdem führt Fremdbeauftragung erfahrungsgemäß dazu, dass das neue System in der Verwaltung nicht gelebt wird."
Einen zeitlichen Rekord wird Delitzsch aber nicht knacken. Die Einführung der Doppik ist gesetzeskonform zum 1. Januar 2013 geplant. OBM Wilde freut sich schon auf die Errungenschaft: "Damit haben wir künftig kommunale Ausgaben besser im Blick und können mittel- und langfristig Rücklagen für absehbare Anschaffungen bilden."