Eilenburg. Mit ihrem im Stadtrat eingebrachten Antrag auf Zulassung des Auto-Kennzeichens Eilenburg hält die SPD die seit einigen Wochen geführte Diskussion am Laufen. Eilenburgs Stadt-Chef ist damit beauftragt, sich mit dem Ansinnen an die zuständige Behörde zu wenden. Wichtigste Voraussetzung: Mehrkosten dürfen nicht entstehen. Mit einer Enthaltung folgten die Fraktionskollegen den Intentionen der Sozialdemokraten.
Eigentlich hat ja Paul-Tilo Geißler (CDU) das Ganze angeschoben, räumte SPD-Fraktions-Chef Rainer Weihmann ein, bevor er Torsten Pötzsch die Begründung des Antrags überließ. Der sprach von politischem Nachdruck, der auch auf unterer Ebene notwendig sei, um derartige Interessen durchzusetzen. Sachsens Wirtschaftsministerium würde dem Anliegen positiv gegenüberstehen, die Innenminsterkonferenz hätte den Antrag an den Bund gestellt, auch die Bürger würden sich laut CDU-Bundestagsfraktion die alten Kennzeichen zurückwünschen. Das ergab auch eine Umfrage dieser Zeitung: Viele Eilenburger hätten gern wieder das EB am Auto. Mehr als 20 Kommunen im Freistaat haben sich hinter die Meinung ihrer Bürger gestellt. "Das Gut des Menschen, sich mit seiner Stadt zu identifizieren, ist ein hohes, und es ist wichtig, dass wir das an möglichst vielen Stellen unterstützen", so Pötzsch. Hans Poltersdorf (CDU) betonte indes, "dass die Frage der Identifikation nicht unbedingt das Kennzeichen sein muss." Er sehe die Kostenneutralität nicht, weil "alle Politiker, die sich mit diesem Problem beschäftigen, auch bezahlt werden müssen."
Derzeit sind die rechtlichen Bedingungen für die Realisierung noch nicht gegeben. Seit der Kreisreform 2008 bekommen neu zugelassene Fahrzeuge in Nordsachsen das Kennzeichen TDO. Für den Heilbronner Wirtschafts-Professor Ralf Bochert ist dieses TDO "eines der absurdesten Kennzeichen Deutschlands". Er unterstützt daher die Bemühungen der Eilenburger. "Unser marketingorientierte Ansatz ist: Die Kennungen sollten als Symbole zu den Produkten - also zu den Gebietskörperschaften - im Landkreis passen. Da die Landkreise heterogen sind, ergeben mehrere Kennzeichen pro Landkreis Sinn." Ohnehin sorgt es bei Bochert für Kopfschütteln, dass Nordsachsen mit dem Kennzeichen TDO fahre, statt mit NOS. Das TDO irritiere sehr viele Menschen. Bocherts Ansatz folgend wäre eine optimale Ausnutzung dieses Marketinginstruments die Aufteilung in ein Landkreiskennzeichen - am besten NOS - und in die Wunschkennzeichen TG, DZ, OZ und EB.