23. November 2011 Kay Würker; Andrea Richter (Leipziger Volkszeitung)

Ehe-Schluss über die Kreisgrenze - Die Kirchgemeinden Podelwitz und Wiederitzsch vereinigen sich zum Jahreswechsel

Podelwitz/Wiederitzsch. Verlobt sind sie bereits seit rund einem Jahr, als die Idee für den Zusammenschluss geboren wurde. Zum Jahreswechsel soll die Ehe nun amtlich werden: Die evangelische Kirchgemeinde Podelwitz vereinigt sich mit der Kirchgemeinde Wiederitzsch. 340 Christen aus Podelwitz, Rackwitz, Zschölkau und Hohenossig beschreiten mit rund tausend Gleich-gesinnten aus dem Leipziger Nor- den ab Januar einen gemeinsamen Weg.
Gestern Abend saßen sie wieder zusammen, die Vorstände der beiden Kirchgemeinden, die künftig eins sein wollen. Zum sechsten Mal seit dem Beginn der Vorbereitungen trafen sie sich, sprachen über Details. Der Vereinigungsvertrag ist bereits unterzeichnet, die Genehmigung des Regionalkirchenamtes Leipzig wird demnächst erwartet.
Es sind nur noch ein paar Formalien, die zu klären sind. Denn zwischenmenschlich haben die Nordsachsen und die Nord-Leipziger längst zueinander gefunden. Die Podelwitzer Pfarrerin Dorothea Arndt hat bereits seit September 2010 Vakanz-Vertretung in Wiederitzsch inne, da die Pfarrerstelle dort unbesetzt ist. "Als ich dort anfing, war der Zusammenschluss noch nicht absehbar", sagt Dorothea Arndt. "Doch es ist eine sinnvolle Entscheidung."
Der Podelwitzer Kirchenvorstand war es, der den Anstoß gab. Die Zahl der Gemeindemitglieder hat sich auf ein Niveau verkleinert, auf dem ein Alleingang nicht mehr langfristig funktioniert. Ganz vorsichtig habe Dorothea Arndt deshalb in Wiederitzsch angefragt - und sei sofort auf offene Ohren gestoßen, trotz des deutlich höheren Mitgliederbestands bei den Nachbarn. Eine Fusion mit Zschortau kam hingegen nicht infrage. "Wir wollen gern bei der Sächsischen Landeskirche bleiben. Und zwischen den Orten Rackwitz und Zschortau verläuft die Grenze zur Evangelischen Kirche in Mitteldeutschland", erläutert die Pfarrerin.
Sie hat bereits Erfahrungen mit Partnerschaften. Seit mehreren Jahren unterhalten die Podelwitzer ein Schwesterkirch-Verhältnis mit der Kirchgemeinde Plaußig-Hohenheida. Anders als bei einem Zusammenschluss behalten die Gemeinden in einem Schwesterkirch-Verbund ihre Vorstände und ihren eigenen Haushalt. Zusammengerechnet werden lediglich die Mitgliederzahlen, wenn es um die Zuweisung von Personalkosten geht.
"Doch die Entfernung zu Plaußig-Hohenheida war zu groß", erklärt die Podelwitzerin, warum damit zum Jahresende Schluss ist. "Bis Wiederitzsch ist es ein deutlich kürzerer Weg." Das beweisen nicht zuletzt die Jugendlichen aus beiden Gemeinden, die das neue Miteinander bereits leben. "Sie treffen sich im monatlichen Wechsel mal in Podelwitz und mal in Wiederitzsch."
Inzwischen sind sich die Kirchenvorstände auch in dem Wunsch einig, dass die Pfarrerin der neuen, großen Gemeinde Dorothea Arndt sein soll. Sonntags, 9 Uhr, findet der Gottesdienst zunächst in Podelwitz statt, 10.30 Uhr dann in Wiederitzsch. Keine Veränderungen soll es bei den jeweiligen Vor-Ort-Angeboten für Kinder und Senioren geben - angefangen beim Vorschulkreis bis hin zum Podelwitzer Kirchenchor und dem Wiederitzscher Damen-Gesangsquartett. Auch die Öffnungszeiten der Pfarrbüros bleiben beim Alten.
Der Zusammenschluss über die Kreis- beziehungsweise Stadtgrenze hinweg, er sei das Ergebnis eines sehr konstruktiven Miteinanders, sagt Dorothea Arndt. "Die Kirchenvorstände hatten die gegenseitigen Interessen im Blick." Das erste gemeinsame Fest ist für den 20. Mai geplant - mit einem symbolischen Brückenschlag: "Wir beginnen die Feier in Podelwitz und machen uns dann auf den Weg nach Wiederitzsch." Das geht durchaus auch zu Fuß.