17. August 2011 Denise Kraut (Torgauer Zeitung)

Ein Jahr und 30 000 Euro wären nötig

Belgern/Torgau (TZ). Nachdem die Rolandstadt Belgern vor rund 20 Jahren aus dem Zuständigkeitsbereich für die Abwasserentsorgung des Zweckverbandes Torgau/Westelbien ausgetreten ist, steht seit einer ganzen Weile ein Wiedereintritt in den Verband zur Debatte. Die Verhandlungen dazu scheinen jedoch nur zäh voran zu gehen. Die TZ unterhielt sich mit dem Geschäftsführer des Verbandes, Uwe Fiukowski, über die Gründe.

TZ: Woran liegt es, dass die Verhandlungen zwischen dem Zweckverband und Belgern beinahe still stehen?
Uwe Fiukowski:
Das liegt daran, dass wir immer noch auf abgeforderte Unterlagen der Rolandstadt warten.
Um welche Unterlagen handelt es sich?
Wir benötigen eine Zustandsbewertung und Schadensklassifizierung des Kanalnetzes, einen darauf abgestellten Sanierungsplan, eine Stellungnahme der unteren Wasserbehörde, also des Landratsamtes, zum Genehmigungsstand der derzeitigen und der konzeptionellen zukünftigen  Klärschlammentsorgung sowie einen Nachweis bezüglich der Qualifikation des zur Übernahme vorgesehenen Personals.
Wie groß ist das zu prüfende und zu bewertende  Kanalnetz des Belgeraner Klärwerks?
Nach meinem Kenntnisstand handelt es sich um etwa 50 Kilometer
Wie lange wird die Überprüfung dauern und wie viel kosten?
So genau kann ich das nicht sagen, da ich nicht weiß, wann die Rolandstadt das letzte Mal ihre Kanäle überprüft und bewertet hat. Normalerweise sollte ein Abfahren aller Kanäle alle zehn Jahre durchgeführt werden. Das ist jedoch nur eine technische Richtlinie, an der sich orientiert werden sollte. Geht man davon aus, dass das noch gar nicht passiert ist, dann wird es etwa ein Jahr dauern und grob geschätzt circa 30 000 Euro kosten.
Warum sind diese zahlreichen Prüfungen notwendig?
Allgemein kann man sagen, dass das einfach der Prüfung der Wirtschaftlichkeit dient. Wir wissen nicht, wie viel in die Kläranlage und in das Kanalnetz in Belgern zu investieren ist und können demnach auch noch nicht beurteilen, ob oder unter welchen Bedingungen wir Belgern wieder in den Zweckverband aufnehmen können.
Was hat es mit der Klärschlammentsorgung auf sich?
Das Klärwerk in Belgern hat ausgenommen einer Entwässerung keine Schlammbehandlungsanlage. Gegenwärtig erfolgt die Entsorgung nach unserem Kenntnisstand durch Ausbringung auf landwirtschaftlichen Flächen. Wir wissen jedoch nicht, wie lang das noch genehmigt werden kann, da immer höhere Anforderungen an eine umweltfreundliche Entsorgung gestellt werden. Das Landratsamt als untere Wasserbehörde soll nun prüfen, ob die Entsorgung in Belgern zukünftig weiter tragfähig ist, oder ob die Notwendigkeit einer Schlammbehandlungsanlage besteht.
Das klingt, als hätte der Zweckverband Bedenken Belgern aufzunehmen?
Selbstverständlich freut sich ein Verband immer, wenn er sich vergrößern kann, dennoch muss immer ein Auge auf die Wirtschaftlichkeit solch eines Unterfangens geworfen werden. Es sind also nicht Bedenken gegen eine Aufnahme, sondern es ist einfach nur eine intensive Prüfung der Situation. Dies gebietet allein die Verantwortung des Verbandes für die gegenwärtigen Mitgliedskommunen und deren Bürger.
Der Belgeraner Bürgermeister Harald Thomas denkt auch weiterhin darüber nach, einen privaten Unternehmer mit dem Betreiben des Klärwerks zu beauftragen. Wie bewerten Sie das?
Es ist sicher richtig und verständlich, dass Harald Thomas auch weitere Möglichkeiten im Auge behält. Was den privaten Betreiber angeht, so muss man jedoch ebenfalls prüfen,  denn ein privates Unternehmen arbeitet zwar für die Aufgabenerfüllung der Stadtverwaltung, aber nicht unbedingt für den Bürger.
Was heißt das?
Ein privates Unternehmen möchte logischerweise immer Gewinn erwirtschaften. Das heißt, ein privater Betreiber könnte früher oder später die Preise erhöhen. Einfach um mehr Profit zu machen oder die Anlagen im Laufe des Vertragszeitraumes auf Verschleiß fahren und somit Kosten sparen. Beides hilft den Bürgern aber auch der Stadt nicht. Ein kommunaler Zweckverband hingegen darf lediglich kostendeckend arbeiten, also keine Gewinne erzielen, und ist auch langfristig an dem Erhalt und dem Bestand der Anlagen interessiert.