17. Oktober 2011 Nico Wendt (Torgauer Zeitung)

Eine neue Pfundt-Klage

Ex-Bürgermeisterin pocht auf Entschädigung


Trossin (TZ). Ex-Bürgermeisterin Ines Pfundt hat die Gemeinde Trossin ein weiteres Mal verklagt. Anfang des Monats fand sich die unliebsame Post auf dem Schreibtisch von Bringfried Otto wieder. Das Neu-Oberhaupt bestätigte die Tatsache gegenüber TZ: „Sie kämpft um eine finanzielle Entschädigung. Es geht um den Zeitraum zwischen der ersten Abwahl und dem darauffolgenden Gerichtstermin in Leipzig, als die Abwahl für rechtswidrig erklärt wurde“, so Otto. Sie sei dadurch nicht in der Lage gewesen, ihr Ehrenamt auszuüben. Weil Pfundt auch in ihrer hauptamtlichen Tätigkeit als Lehrerin stark eingeschränkt war – sie hätte extra wegen des Bürgermeisterpostens weniger Stunden unterrichtet – seien ihr finanzielle Einbußen entstanden. Dafür soll die Gemeinde Trossin jetzt aufkommen. Bringfried Otto: „Im Blickpunkt steht eine Entschädigung erstmal laut Klageschrift für die Dauer von drei Monaten.“

Kommentieren wollte der aktuelle Bürgermeister den Vorgang nicht. Auch hielt er sich mit weiteren Ausführungen zurück. Seine Gemeinderäte hatte er bis Mitte vergangene Woche noch nicht offiziell in Kenntnis gesetzt. Rudolf Kartheuser, 2. stellvertretender Bürgermeister, zeigte sich deshalb gegenüber TZ höchst überrascht: „Für mich ist der Fall längst abgeschlossen. Ich glaube nicht, dass Frau Pfundt da eine Chance hat. Aber man weiß ja nie, wie die Gerichte entscheiden“, sagte der Trossiner. Immerhin wäre das Ganze doch nun schon so lange her. Eigentlich sei er froh, dass die Arbeit im Gemeindeamt endlich wieder vernünftig läuft und dass halbwegs Ruhe eingekehrt ist. „Das Verhältnis zwischen Bürgermeister Otto und den Räten ist gut, die Ausschüsse tagen regelmäßig und die Einwohner sehen, dass etwas gemacht wird“, schätzte  Kartheuser ein. Er finde es schade, wenn jetzt durch eine neue Pfundt-Klage wieder Negativ-Schlagzeilen auftauchen.

Bei der Landesdirektion Leipzig und beim Landratsamt Nordsachsen wollte man sich mit Blick auf das „laufende Verfahren“ nicht äußern. Wie TZ erfuhr, will die geschasste Bürgermeisterin einen vierstelligen Betrag als Entschädigung. Sie hatte bereits im vergangenen Jahr versucht, ihre entgangene Aufwandsentschädigung als Bürgermeisterin zu erstreiten, die allerdings nur fließt, wenn das Ehrenamt tatsächlich ausgeübt wird. Zur Erinnerung: Pfundt war im Januar 2010 zum ersten Mal abgewählt worden. Daraufhin entschied das Verwaltungsgericht im Juli 2010, dass keine „triftigen Gründe“ vorlagen. Bei der zweiten Abwahl im Oktober  letzten Jahres hatten die Einwohner ein Bürgerbegehren gestartet.