Nordsachsen (TZ). 156 Jugendliche ohne Schulabschluss hat die Agentur für Arbeit in ihrer letzten Statistik zum Ausbildungsmarkt unter den Bewerbern ausgemacht – das waren rund 8,5 Prozent. Der Agenturbezirk, zu dem neben der Region Torgau-Oschatz auch die Altkreise Muldentalkreis und Döbeln gehören, liegt damit im deutschen Mittel von circa zehn Prozent.
Fragt man Roman Schulz, den Pressesprecher der Bildungsagentur Sachsen, Regionalstelle Leipzig, nach den Gründen, weshalb diese Jugendlichen die Schule ohne Abschluss verlassen, fallen ihm einige Aspekte ein. „Natürlich spielt die individuelle Lernleistung eine große Rolle. Diese reicht oft nicht aus, Folge sind schlechte Noten und eventuell auch kein Schulabschluss.“ Auch Schulmüdigkeit, Krankheit, Prüfungsangst sowie Probleme im Elternhaus gelten ihm zufolge als mögliche Ursachen für das Nichtbestehen der Abschlussprüfung.
„Bei abschlussgefährdeten Jugendlichen überlagern sich oft mehrere Gründe. Das können Probleme mit Lehrern oder Mitschülern sein, Stress mit den Eltern oder auch fehlende Verankerung innerhalb der Klasse bis zu Mobbinganzeichen im Einzelfall“, sagt Schulz. Seiner Meinung nach sind die Schüler ohne Abschluss oft mit integrativen Schwierigkeiten behaftet und diese würden sich nicht erst in der 9. oder 10. Klasse entwickeln.
Die Arbeit mit abschlussgefährdeten Jugendlichen ist auch in diesem Jahr wieder ein Schwerpunkt für die Bildungsagentur. Während einer Pressekonferenz zum Anfang des Schuljahres wurde seitens der Behörde betont, dass schulartübergreifende Bildungsberatung notwendig sei, um die Zahl der Schulabgänger ohne Abschluss zu minimieren. „Die Lehrer können es nicht allein schaffen, das Problem zu lösen. Die Eltern müssen auf jeden Fall mit an diesem Strang ziehen“, so Roman Schulz. Auch muss die Unterrichtsqualität durch Fortbildung der Lehrer und vermehrtem Einsatz von technischen Mitteln erhöht werden. „Es ist eine Kunst für sich, frühzeitig zu erkennen, welcher Schüler den Abschluss nicht schaffen könnte. Aber genau dieses Rätsel müssen wir lösen. Darum müssen wir uns perspektivisch mehr mit den Schülern befassen und sie mehr mit Wirtschaft und Industrie vernetzen. Das kann den Schülern helfen, sich frühzeitig auf das Thema Berufswahl vorzubereiten und das Ziel des Berufsabschlusses auch zu erreichen“, erklärt Schulz. Für Jugendliche, die die Schule ohne Abschluss verlassen, gäbe es allerdings auch Hoffnung, so Eckehardt Thau, Berufsberater der Arbeitsagentur Oschatz. „Das Ganze ist sicher nicht in Form eines Wunschkonzertes möglich. Es gelingt aber mit steigender Tendenz auch Jugendlichen ohne Schulabschluss, einen betrieblichen Lehrvertrag zu bekommen“, sagt er.
Laut Bildungsagentur ist es auch möglich, seinen Schulabschluss später nachzuholen, dies würden allerdings die wenigsten in Anspruch nehmen. In Deutschland gibt es zudem die Möglichkeit der Schulfremdenprüfung. Dabei kann man nachweisen, dass man prüfungsreif ist und die Püfung an einer Mittelschule nachholen. Auch an einer Abendmittelschule besteht die Möglichkeit, neben der Arbeit den Schulabschluss nachzuholen. „Die meisten jungen Leute ohne Abschluss machen ein Berufsvorbereitungsjahr und dann eine Ausbildung. Manche verlassen aber auch nach zwei bis drei Jahren die Berufsschule ohne Berufsabschluss. Für diese Jugendlichen gibt es dann oft wenig Chancen, sie bleiben ein Leben lang ungelernt“, so Thau.